Politische Führung: Basis motivieren und fördern

In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen in allen Bereichen der Politik und der Parteien selbst, wird es von entscheidender Bedeutung sein wie man es zukünftig schafft die Basis zu motivieren und gezielt zu fördern.
Die derzeitigen Schwierigkeiten innerhalb einzelner Parteien verdeutlichen, dass es vielen Mitgliedern im Vergleich zu der Situation vor den Bundestagswahlen schwerfällt die Bürgerfragen in der Art zu beantworten wie es noch zuvor der Fall gewesen ist.
Rückläufige oder stagnierende Mitgliederzahlen einiger Parteien und sinkende Wahlbeteiligung bei allen Wahlen dürfte nur über mehr Basisinvestitionen überwunden werden.
Tiefpunkt der diesjährigen Wahlbeteiligung ist sicherlich die Hamburger Volksabstimmung mit gerade einmal 39,3 Prozent.

Handeln ist angesagt
Das schrumpfende Vertrauen zu den Verantwortlichen in der Politik ist eine Ursache für den Rückgang der Wahlbeteiligung, die keinen Demokraten, egal welcher Partei, kalt lassen darf.
Die Hauptnahrung des Vertrauensverlust ist zu einmal die Enttäuschung über politische Entscheidungen, der Mangel an Kommunikation (gerade einmal 29% der Bundestagsabgeordneten sind in Sozialen Netzwerken) und das allzu zutreffende Zitat “Menschen werden vergessen was du gesagt und getan hast, aber sie werden nie vergessen  was für ein Gefühl du ihnen gegeben hast.“ (Maya Angelou).
Dieses Gefühl ergreift insbesondere die, die einem Politiker oder einer Partei geholfen haben, dass er in das Parlament bzw. sie womöglich bei den Wahlen zugelegt hat.
Die einfachen Mitglieder, welche oft als Gruppenbezeichnung „Basis“ erhalten, sind die Ersten, die politische Schieflagen und Fragen von Bürgern ausbaden beziehungsweise beantworten müssen.
Die Basis ist also auch die Basis eines politischen Erfolgs und unerlässlich für ein funktionierendes und stabiles Politikgefüge.
Aber auch strategisch und bei der Findung von Lösungsansätzen und diesbezüglich auch der Ausarbeitung konkreter Gesetze ist sie nahezu unersetzlich.
Die Erschließung dieses Potenzials sollte Aufgabe jedes Vorsitzenden im Kreis, Land oder Bund genauso wie die eines Abgeordneten sein.

Wieso ist die Basis so wichtig?
Die Basis-Mitglieder haben einen ganz normalen Job und kommen somit jeden Tag mit der wichtigsten Quelle des politischen Erfolgs oder ebenso mit der Ursache für politische Niederlagen zusammen, den Bürgern.
So sind sie in der Lage auch tagespolitische Meinungsbilder aufzufangen und den Abgeordneten zu erklären.
Diese Eigenschaft und die ständige Verbundenheit mit dem wichtigsten, das es für einen Abgeordneten geben sollte, dem Bürger, macht die Basis zu einem einzigartigen Informationspool für jeden Abgeordneten und jedes Vorstandsmitglied.
Sie sind aber nicht nur Übermittler von Stimmungsbildern. Nein die Basis bildet die Grundlage für neue Ideen und Lösungsansätze.
Diese zwei Punkte sollten Grund genug für Sie als politische Führungskraft sein, sich intensiv mit der Basis auseinanderzusetzten und mit ihr zu reden. Ständiger Kontakt macht sie zu ihrem Erfolgsrezept. Bei Erfolgen können sie dann ein Bad in der Menge genießen und bei Niederlagen auf Rückhalt hoffen. Das ist ihre Basis.

Erster Ansatzpunkt: Die Wertschätzung
Investieren Sie Zeit und zeigen Sie besonderen Mitgliedern in ihrem Wahlkreis persönliche Wertschätzung. Mitglieder die Ihnen als Abgeordneter geholfen haben erwarten nicht nur einen feuchten Händedruck und ein einfach „Danke“. Und das ist auch ihr gutes Recht, schließlich weiß niemand ob Sie den Erfolg gehabt hätten, wenn diese Person oder Personen nicht gewesen wären.
Sie haben Ihnen geholfen, also helfen Sie nun Ihnen. Eine Hand wäscht die andere, das gehört in das Geschäftsleben wie in den Politikalltag.
Dabei erwartet das Parteimitglied nicht mehr, als sie selbst an einen weitergeben würde. Lernen Sie aus dem wie sich die Person Ihnen gegenüber verhalten hat. War Sie aufgeschlossen und hörte Ihnen während des Wahlkampfes exakt zu, dann tun Sie dieses während der Legislaturperiode genauso. Hören Sie dem Mitglied zu und laden es ab und zu zu einem persönlichen Treffen ein.
Ein weiterer Tipp für besondere Anerkennung ist, dass Sie als Abgeordneter wichtige Mitglieder entweder per E-Mail anschreiben oder telefonisch um ihre Meinung zu diesem Thema fragen.
Das gesteigerte Vertrauensverhältnis verbindet Sie mit den Mitgliedern vor Ort und so können Sie auch in schwierigen Zeiten immer mit Rückendeckung rechnen.

Zweiter Ansatzpunkt: Suchen Sie Multiplikatoren oder werden Sie selber einer

Multiplikatoren als Führungstypus:
Multiplikatoren sind vor allem in wissensintensiven Bereichen wie der Politik nötig. Multiplikatoren als Führungspersönlichkeiten zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie die richtigen Fragen stellen, es verstehen andere zu motivieren und die Potenziale von anderen Mitglieder bestmöglich fördern, damit diese sie einsetzten können.
Multiplikatoren als Führungskraft schaffen einen Rahmen, in dem Ideen aus allen Hierarchieebenen gehört werden und erlauben es ausdrücklich, dass jeder seine Idee mit einbringen kann, darf und soll.

Multiplikatoren als Kommunikationstypus:
Kommunikative Multiplikatoren sind Menschen die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Kurz könnte man sie als Meinungsmacher bezeichnen. Sie haben eine entscheidende Funktion innerhalb des Kreis-,Landes- bzw. Bundesverbandes einer Partei. Dieser Kommunikationstypus schafft es Meinungen an alle weiterzugeben und genießt bei vielen einen Sonderstatus, da er als authentische und ehrliche Quelle von Informationen angesehen wird. Seine Meinung bzw. Wiedergabe von Informationen verbreiten sich wesentlich schneller, als bei anderen Menschen.
Zu den Multiplikatoren gehören ebenso Blogger, die nicht nur innerhalb der Partei als glaubhafte Nachrichtenstelle gelten, sondern auch nach außen. Ideal also um mit Bürgern zu kommunizieren und die Ziele bzw. Entscheidungen zu vermitteln.

Zusammenfassung der Multiplikatoren:
Multiplikatoren sind Führungspersönlichkeiten die andere inspirieren mehr zu träumen, mehr zu lernen, mehr zu machen und ihnen helfen besser zu werden.

Dritter Ansatzpunkt: Binden Sie junge Talente

Keine Gruppe ist flexibler und schneller für etwas zu begeistern wie die der jungen Talente. Doch sie sind auch genauso flexibel, wenn sie sich nicht mehr wahrgenommen fühlen. Sie bedürfen daher einer besonderen Aufmerksamkeit. Achten Sie jedoch als Führungsperson, die Sie als Abgeordneter oder Vorstandmitglied sind, dass Sie keine Mitglieder gegeneinander ausspielen. Mehr Aufmerksamkeit ja, aber den Zutritt zu dieser Gruppe immer offen gestalten, damit alle Mitglieder motiviert werden ihre Talente und Fähigkeiten für das gemeinsame Ziel einzusetzen.
Kurzer Überblick über Talentmanagment und wieso es so wichtig ist:
Talente sind Personen, die es schaffen andere Mitglieder zu motivieren, deren Potenziale zu wecken und zu fördern, überdurchschnittliche Leistung (im Vergleich zu anderen Mitgliedern) in einem Bereich erzielen und Leistungsvoraussetzungen für besondere Führungs- und Fachfunktionen mitbringen.
Talentmanagment hat die Aufgabe diese Menschen zu binden und zu fördern. Denn nur wenn Talente gefördert und beachtet werden, werden sie auch bereit sein ihre ganze Energie für die Ziele der Partei oder des Kreis-, Landes- oder Bundesverbandes einzubringen.
Damit Talente ihr volles Potenzial auch ausnutzen können schreiben sie ihnen nicht alles vor, sondern bauen sie Spannung und Leistungsbereitschaft auf. Das können sie zum Beispiel durch die Überlassung eines Themengebiets oder einer Lösungserarbeitung für eine aktuelle Frage erreichen.
Wenn Sie die Förderung und die Anforderungen an das Talent aufeinander abstimmen, werden Sie viel Spaß mit dem Mitglied und auch mehr Erfolg haben.

Vierter Ansatzpunkt: Erhöhen Sie den Informationsfluss

Ihre Basismitglieder haben das Recht darauf zu wissen was gerade diskutiert wird, welche Möglichkeiten es gibt ein Problem zu lösen und was in den nächsten Wochen vor Ihnen als Abgeordneter oder als Verband liegt.
Ihre Basis wird es zu schätzen wissen, dass sie derartige Informationen ihnen zur Hand geben und nicht nur einmal pro Monat eine Art Argumentationshilfe zuschicken.

Jede noch so ausgeklügelte Argumentationshilfe bringt nichts, wenn die Mitglieder selber nur lauter Nebelschwaden sehen und nicht genau wissen, was sie selbst von der Entscheidung halten sollen.

Geben Sie deshalb lieber einmal zu viele Informationen weiter, als dass es ihre Mitglieder übel nehmen, dass Sie sie schon lange nicht mehr auf dem Laufenden gehalten haben.
Wissen ist Macht. Teilen Sie diese Macht damit sie eine mächtige Basis erhalten, die auch im größten Sturm sicher und selbstbewusst den Fragen der Mitmenschen und Bürgern begegnen.

CHECKLISTE ZUM ÜBERPRÜFEN:

1.    Wer hat Ihnen beim letzten Wahlkampf besonders geholfen?
2.    Haben Sie dieser Person/diesen Personen Ihre Wertschätzung gezeigt?
3.    Veranstalten Sie Informations- und Themenrunden (mind. vierteljährlich)
4.    Suchen Sie Multiplikatoren und beziehen Sie diese mit ein
5.    Bauen Sie ein System für die Förderung von Talenten auf
6.    Betreiben Sie eine kontinuierliche und transparente Informationsübermittlung
7.    Bitten Sie hierbei um Rückmeldungen
8.    Betrachten Sie Ihre Informationen auch als Ansatzpunkt für weitere Diskussionen und Lösungsansätze, die Sie und die Basis enger aneinanderbinden

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