top-down(?) oder bottom-up(!)

Kopenhagen und das Ende von Nationalismus und Naivität
von Michael Franz, Heidelberg · www.m-g-franz.de · info@m-g-franz.de

Michael_FranzWenn hochwissenschaftliche Analysen vorliegen, notwendige Klimakonsequenzen multimedial und zugespitzt eingefordert werden, die vermeintlich mächtigsten Menschen der Welt sich die Nächte und Argumente um die Ohren schlagen… und so gar nichts heraus kommt, dann scheint das ein schlechtes Zukunftssignal zu sein. Jedoch: Die Kinder dieser Zeit und Welt haben mit pseudorationalem Geschwätz und nationalem Getue nicht wirklich etwas am Hut. Sie würden lieber einfach nur lernen und gesund aufwachsen, fair spielen, sich streiten und vertragen. Kein Siebenjähriger versteht, warum der Friedensnobelpreisträger den höchsten Rüstungshaushalt aller Zeiten bewilligt. Und jeder Zehnjährige versteht, dass China zwar das meiste CO2 ausstößt, jeder Chinese aber nur ein Bruchteil dessen, was pro Kopf in EUSA rausgehauen wird.

Jeder wundert sich, dass innerhalb weniger Tage Milliarden und Billionen zur Rettung krebskranker Banken und Finanzmärkte locker gemacht werden, Entwicklungsländer aber erst ab 2020 „wohlwollend“ zum ökologischen Umbau animiert werden möchten… Das ökologische Umdenken und Umhandeln muß hier statt finden und nicht auf Tuvalu! Kopenhagen ist nicht das Ende der Welt, sondern der Beginn einer Ära der Wahrheiten. Unvernünftig wäre es, weiterhin allein auf die Klugheit, Weitsicht und das Wohlwollen demokratischer Repräsentanten zu vertrauen. Das offensichtliche Machtkleben, Ideenarmut und Lobbytum, Heimlichtuerei und Zaudergeist der getriebenen Polit-Profis mag man anprangern; aber just die moderne Hirnforschung macht deutlich, dass und warum wir Menschen eher dürftig unserer Vernunft folgen.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“, weiss Erich Kästner und schon der Ur-Ökologe Zarathustra empfiehlt das „gute Denken, gute Reden und gute Handeln“. Eigentlich ganz einfach – so einfach wie die Erkenntnis, dass Wachstum – rein mengenmäßiges -  mit Weltfrieden genauso wenig zusammen passt wie übermäßiger Konsumtrieb und Gier mit wirkungsvollem Klimaschutz. Das Vertrauen auf Rationalität oder Wissenschaftsgläubigkeit alleine sind im Zuge der Globalisierung – also der drastisch zunehmenden Komplexität (und auch Verunsicherung) – eine gefährliche Sackgasse. Kopf ohne Körper hat noch nie funktioniert – Wissen ist das eine, ohne Wollen und Handeln bleibt es hilflose Verdrängung und geistige Selbstbefriedigung. Nicht ein von westlichem Lebensstil dominierter globaler Plan älterer Feldherren ist der Weg, ein ganz neuer „Common Sense“ der Weltjugend ist das hohe Ziel.

Es braucht Väter, die ihren Kindern noch oder wieder in die Augen schauen können und Mütter, die Jungs zu echter Mannhaftigkeit ermutigen – was immer bedeutete: Leben zu schützen. Früher des kleinen Dorfes, heute des “Global Village”. Junge Männer, die zwischen Soft-Pädagogik und Medien-Brutalität ihre Echtheit und ganz natürliche Aggressivität bewahrt haben und den starken jungen Frauen dieser Zeit mit gutem Gewissen zugemutet werden können. Und dazu braucht es nicht zuletzt Schulen für Lebensunternehmer statt Lern- und Arbeitssklaven aus PISA und „Bologna“.

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