Mehr Klarheit bei den Erfolgsfaktoren

Eigentlich könnte das neue Softwareinstrument »Zukunftscheck Mittelstand« aus dem Bundeswirtschaftsministerium auch eine andere Bezeichnung tragen, z. B. »Zukunftschancen Mittelstand« oder »Zukunftspotentiale Mittelstand«. Denn es geht bei diesem Instrument weniger darum festzustellen, ob ein Unternehmen oder eine Organisationseinheit bereits perfekt den Anforderungen der Zukunft entspricht – die in der Gegenwart für die Zukunft ja immer nur geschätzt und angenommen werden können. Es geht bei diesem Instrument vielmehr darum, eine systematische Vorwärtsplanung zu entwickeln, die, sind die Grundlagen dafür erst einmal gelegt, im chronologischen Verlauf der Entwicklung dem wandelnden Bedarf schnell angepasst werden kann.

Nun tun sich bekanntlich mittelständische Unternehmen mit strategischen Fragestellungen immer etwas schwer, zumindest gegenüber der Aussenwelt. Natürlich haben auch sie eine Strategie. Die wird aber meist “im Kopf” von ein bis zwei Personen aufbewahrt, die auch gleich die Führung des Unternehmens ausüben. Aus ihren strategischen Auffassungen heraus strukturieren sie dann bei Bedarf – über den wiederum sie selbst entscheiden – die notwendige Anpassungen der Betriebsabläufe im operativen Geschäft.

Die Gründe dafür sehe ich – und da spreche ich aus 15 Jahren Erfahrung in und mit mittelständischen Unternehmen – im Bedürfnis, “sich nicht zu sehr in die Karten schauen zu lassen”. Das hat den Vorteil, sich Handlungsoptionen offen zu halten. Und dieser Vorteil ist nicht zu unterschätzen und zu einem gewissen Grad auch lebensnotwendig für jedes Unternehmen, zumindest in einer Marktwirtschaft. Schliesslich wäre es absurd, einem privatwirtschaftlichen Unternehmen Vorschriften zu machen zu seinem Geschäfts- und Erfolgsmodell. Das käme einer Sozialisierung gleich, einer Verstaatlichung oder Vergesellschaftung, also der Absetzung der Führung aus der Verantwortung und die Übernahme der bestimmenden Macht und Gewalt durch andere Instanzen und würde die Grundregeln unserer Wirtschaftsordnung kippen.

Nun hat aber das eben beschriebene Führungsmodell, was im Mittelstand auch in unseren Tagen noch weite Verbreitung findet, und welches wie gesagt, seine Berechtigung hat, auch seine Nachteile. Der bedeutenste dieser Nachteile besteht wohl darin, das sieht und hört man immer wieder, dass unzureichende Einsicht seitens der Mitarbeiter, also mangelnde Transparenz in den Zielsetzungen, Anforderungen und Erfolgkriterien deren Kompetenzen und Potentiale ausbremst. Das ist heute so, weil Mitarbeiter im immer seltener werdenden Fall an einem Fliessband stehen, an dem sie gedankenlose Handarbeiten verrichten, sondern immer öfters in komplexte Planungs- und Organisationsprozesse einbezogen sind, bei denen weniger Handarbeit als vielmehr gedankliche und mentale Mitwirkung gefragt sind. Stichwort: Wissensarbeiter.

Nun zum ökonomische entscheidenden Punkt: Die Produktivität dieser ”Wissensarbeiter” ist nicht nur von deren Kenntnissen und Fähigkeiten abhängig, sondern ebenso von ihrer Aufmerksamkeit und Motivation. Davon kann jeder berichten, der schon einmal den Vergleich zwischen einem engagierten Team und einem Team mit “Dienst-nach-Vorschrift-Mentalität” erfahren hat. Motivation ist ein bedeutender Produktivitätsfaktor!

So bleibt zum Schluss ein Konflikt- oder Spannungsfeld, was sich einerseits durch den Wunsch und die Forderung nach Bestimmungsgewalt durch die Führungsebene, andererseits durch den Wunsch und die Forderung nach höchstmöglicher Produktivität durch Mitarbeiter auszeichnet. Dieses Spannungsfeld wird das Instrument “Zukunftscheck Mittelstand” nicht auflösen können, weil es durch unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung vorgegeben ist. Was das neue Instrument m. E. jedoch leisten kann, ist eine deutliche “Entschärfung” dieses Spannungsfeldes, und zwar zum Nutzen und Vorteil des Unternehmens und somit auch zum Nutzen und Vorteil der Mitarbeiter. Denn ein erfolgreiches Unternehmen kommt, das ist zumindest im Mittelstand noch die überwiegende Regel, auch seinen Mitarbeitern zugute. Mehr Klarheit bei den Erfolgsfaktoren ist hierzu ein wichtiger Beitrag.

Andreas Stein, www.andreas-stein.info  

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