Archiv für September 2008

GEDANKEN zur WIRTSCHAFTSORDNUNG

Von Andreas Stein, Kassel

Eben lese ich, dass das 700 Milliarden schwere Rettungspaket der Regierung Bush zur Abfederung der Finanzkrise gescheitert ist. Nachdem ich mich seit über einem Jahr intensiv mit der gegenwärtigen Krise auseinandergesetzt habe und Pro und Contra der unterschiedlichen Argumentationsketten kennen gelernt und verglichen habe, fühle ich mich nicht zu einem objektivem Urteil in der Lage: Ist das Scheitern des Rettungspakets gut oder schlecht?

Es besteht durch weitere Pleiten, so ist es immer wieder zu lesen, das Risiko einer Kettenreaktion oder eines Super-Gau, der die Wirtschaft bremsen oder in Teilen zum Erliegen bringen könnte. Andererseits sind die Geschäfte der Finanzbranche Geschäfte der privaten Wirtschaft und es ist nicht verständlich, warum der Staat, die Allgemeinheit und damit jeder einzelen Bürger für die Schulden speziell dieser Branche aufkommen soll. In der Finanzbranche und besonders in den Investmentbanken sind in den letzten Jahren nicht gerade “Mindestlöhne” bezahlt worden, sondern aussergewöhnliche, für normale Bürger teilweise unfassbare Spitzenbezüge. Deswegen scheint mir der Gedanke nachvollziehbar, diejenigen über ein Rettungspaket abstimmen zu lassen, die es auch bezahlen müssen. Das sind die amerikanischen Bürger, und die lehnen es in der Mehrzahl ab. Davon jedenfalls berichtet heute faz.net im Beitrag “Die Pläne machen die Reichen nur reicher”. 

Nach Abwägung von Pro und Contra der unterschiedlichen Argumente zum US-Rettungspaket kann ich persönlich nicht sagen, welche der alternativen Handlungsoptionen die “besseren” sind. Trotzdem bleibt, ich kann es nicht erklären, ein Bauchgefühl der Erleichterung. Vielleicht, das ist eine Vermutung, weil die Einschränkung der gesamten Diskussion auf das Tauschmittel Geld zu sehr von dem ablenkt, was nach meiner Auffassung zu Wohlstand in der Breite und in der Spitze führt: Produktivität.   

Mit den »GEDANKEN zur WIRTSCHAFTSORDUNG« startet eine neue Serie auf forum-fuehrung.com. Ein stabiles Gleichgewicht in den Interessen, Ansprüchen und Leistungsbeiträgen, auf das gesunde Unternehmen und Organisationen hinzielen, ist ohne ein ansatzweise stabiles Rahmenumfeld nicht denkbar. Dieses Rahmenumfeld, man kann es auch Wirtschaftsordnung nennen, wird wiederum durch unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft(en) beeinflusst (Staat, Politik, NGO´s, etc.). Die »GEDANKEN zur WIRTSCHAFTSORDNUNG« sollen einen Beitrag zur Klärung der Auffassungen und damit zum Wohlstand in der Spitze und der Breite leisten.

»Wissensmanagement« ganz praktisch: Die Mitarbeiterbefragung

Im Rahmen der wissenschaftlichen Aufbereitung von zukunftweisenden Führungsstrategien sind in den letzten Jahren zu Begriffen wie “Wissensmanagement” und “Wissensbilanz” viele zukunftsweisende Organisationsmethoden erforscht und publiziert worden. Davon können Unternehmen, die ihre Kompetenzen und ihre Produktivität systematisch anpassen oder verbessern wollen, profitieren. Allerdings hat sich gezeigt, dass bei der Einführung von neuen Konzepten die Umstellung von den bisherigen Abläufen auf die zukünftigen Abläufe nicht ohne Hürden und Verzögerungen zu meistern sind. Die “Königsfrage” lautet daher: “Wie gelange ich mit meinem Unternehmen möglichst schnell und reibungslos von A nach B, von ALT zu NEU?”

Einen vorbildlichen Weg geht das Unternehmen Balzer (www.balzernet.de) aus dem nordhessischen Allendorf. Getreu dem Motto der Wissensbilanz “Das Kapital unseres Unternehmens steckt in den Köpfen unserer Mitarbeiter” führt der Betrieb Mitarbeiterbefragungen durch, die der systematischen Anpassung und Verbesserung von Arbeitsabläufen dienen. So wird den Forderungen moderner Managementmethoden nach der Aktivierung der Potentiale des Einzelnen und ihrer bestmöglichen Abstimmung auf die Betriebsabläufe entsprochen, und zwar mit Hilfe des traditionellen Steuerungsinstruments »Mitarbeiterbefragung«.

Solche Befragungen bieten einen vielschichtigen Nutzen: Potentiale, die im Alltagsgeschäft schnell einmal “untergehen”, werden sichtbar. Mitarbeiter, die in Besprechungen weniger ausdrucksstark sind als die etablierten Wortführer, können ihre Beiträge in Ruhe einbringen. Für die Geschäftsleitung entsteht im Ergebnis ein stärker repräsentatives Bild der Verhältnisse als bei Beschränkung auf das “Steuerungsinstrument Besprechung”. Und natürlich lösen umgesetzte Vorschläge zur Verbesserung der Abläufe Anerkennung und Motivation aus, die sich schnell zu einem starken Antrieb für ein Unternehmen entwickeln können.

Zum Schluss – und das ist das wichtigste an allen guten Instrumenten – profitiert der Kunde. Jede Verbesserung in der Qualität, jede Anpassung an den Bedarf und jede Beschleunigung in den Abläufen - z. B. durch Beseitigung von Störfaktoren – ist aus Sicht des Kunden auch eine Kostenersparnis. Und wenn diese vom Kunden wahrgenommen und anerkannt wird, dann wiederum stärkt dies die Wettbewerbsfähigkeit und die Ertragskraft des Unternehmens. 

Finanzkrise wertet Mittelstand in seiner Bedeutung für unseren Wohlstand auf!

Abweichend von der öffentlichen Meinung und einer entsprechenden politischen Berücksichtigung in den vergangenen Jahren wertet die aktuelle Finanzkrise die Bedeutung des Mittelstands für eine funktionierende, wohlstandsbildende Volkswirtschaft auf. Immer wieder ist in der Berichterstattung über die Krise des Finanzsystems zu lesen, dass sich die Abläufe der Finanzwirtschaft von den Abläufen der “Realwirtschaft” abgekoppelt hätten. In der Krise stellt sich nun die Frage: Wer wird für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Energie, Konsumgütern und Dienstleistungen sorgen, sollte die Versorgung mit Geld im schlimmsten Fall der Fälle, einem Super-Gau in der Finanzwirtschaft, gestört werden?

Ohne den Teufel an die Wand zu malen: Die modernen, globalisierten Finanzsysteme sind eben NICHT sicher, wie es die aktuelle Krise beweist. Sie sind im Gegenteil und aufgrund ihrer Komplexität sehr störanfällig und geben uns keinerlei Anlass zu einer unkritischen Haltung und zum Gefühl falscher Sicherheit. Eine Politik, die auf diese Systeme als Antrieb des Wohlstands vertraut hat, hat auf ein Pferd gesetzt, mit dem Millionen von Menschen in ein wirtschaftliches Chaos geritten sind.

Die Ereignisse, das möchte ich hier ganz bewusst machen, sind keine schnell vorbeihuschendes Medienereignisse. Wenn sich eine Volkswirtschaft wie die USA an der Grenze ihrer Belastbarkeit nur noch durch Sozialisierung der Banken vor einem noch grösseren Ruin retten kann, dann lässt sich die Bedeutung der Ereignisse, deren Zeugen wir zur Zeit sind, durchaus mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Wirtschaftsordnungen vor knapp 20 Jahren vergleichen. Es handelt sich hier – wie es auch schon der US-Exnotenbankchef Alan Greenspan mehrmals gesagt hat – durchaus um ein Jahrhundertereignis. Und nun ist dieses Jahrhundertereignis, nachdem es sich in Expertenforen und Wirtschaftspresse schon über Monate und Jahre ankündigte, auf den Titelseiten der Tagespresse und den Schlagzeilen der allgemeinen Nachrichtensendungen angekommen.

Für Deutschland bietet sich vor diesem Hintergrund eine einzigartige Perspektive. Es ist gerade 2 Wochen her, da konnte man im Grusswort des Landesvorsitzenden Edwin Balzter zum 33. Landesmittelstandstag des www.mit-hessen.de lesen: “Unsere Aufgabe muss es sein, die Soziale Marktwirtschaft als den Maßstab für Wohlstand und Freiheit in der ganzen Welt zu etablieren.” Dieser sehr mutige Aufruf ist vollkommen richtig und seit den aktuellen Ereignissen ohne Alternative. Die Wirtschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft hat uns im Gegensatz zum Sozialismus und dem nun in die Krise geratenen Finanzkapitalismus Fortschritt und Wohlstand in der Breite gebracht. Da wird sich die Rückbesinnung auf dieses Erfolgsmodell lohnen, welches man im Mittelstand noch vielerorts in der praktischen Anwendung erleben kann.

Hilfreich für einen Prozess der Abkehr von falschen Ideologien und zurück zur Vernunft einer an die Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts angepassten Sozialen Marktwirtschaft – die beispielsweise ökologischen Anforderungen stärker als früher entspricht – wäre mehr Mut und Engagement bei den Leistungsträgern unserer Gesellschaft. Da ist die Initiative eines Heiner Geissler, der gerade heute in einem Interview mit der www.hna.de die Marktideologie des Kapitals für gescheitert erklärt und ein ökosoziale Marktwirtschaft fordert, vorbildlich. Nach seinen Worten steht die Soziale Marktwirtschaft für geordneten Wettbewerb statt für ruinösen “Catch-as-catch-can”. Und für den Abbau des überflüssigen Casino-Kapitals (dem weltweite Bruttoinlandsprodukt von 50 Billionen Dollar stehen parallel 90 Billionen Dollar ohne ökonomische Basis für Spekulationszwecke zur Seite) hat Heiner Geissler auch gleich einen praktischen Vorschlag, nämlich die Einführung einer Börsenumsatzsteuer. Sie würde jede Finanztransaktion verteuern und dadurch die Spekulation reduzieren.

Das Beispiel Heiner Geissler zeigt: Es gibt kreative Wege zur Gestaltung unserer Wirtschaftsordnung. Wir sollten die Intelligenz aufbringen, sie zu entwerfen, den Mut, sie zu fordern, und die Ausdauer, sie zu verwirklichen. Das Ziel muss lauten: »Wohlstand für Alle!« So hat es auch schon Ludwig Erhard gefordert. (Andreas Stein)

Wir danken für das Interview, Herr Prof. Bader!

Prof. Dr. Werner Bader, seit 01.01.08 Chefarzt der Frauenklinik des Krankenhauses Nordstadt in Hannover, im Gespräch mit Grit Wunderlich

Die im Frühjahr 2007 gestartete Reihe von Interviews mit verantwortungsorientierten Führungspersönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft konnten wir am 12.09. mit einem Besuch bei Prof. Dr. Werner Bader an seiner neuen Wirkungstätte in Hannover (www.krh.eu) fortsetzen.

Die bewußt interdisziplinär gestaltete Interviewreihe, die die Frage nach Orientierungs- und Wertmaßstäben guter Führung in den Mittelpunkt stellt, will einen Beitrag zur Stärkung des Bewußtseins um die immateriellen Erfolgsfaktoren von Managementaufgaben im weitesten Sinne leisten. Wohlstand entsteht - so das Verständnis der Beteiligten - aus weitaus mehr als nur den materiellen Faktoren.

Wir danken Herrn Prof. Dr. Bader für seinen Beitrag zu dieser Reihe, der demnächst auf dieser Plattform zur Veröffentlichung kommen wird. Sie haben uns Mut gemacht und unserer Auffassung bestätigt, dass durch fachliches Engagement und menschliche Wertschätzung viele vermeintlichen Hindernisse zum Wohl der Menschen überwunden werden können, in Ihrem Fall zum Wohl von Patienten und Mitarbeitern. 

Forschungsarbeit vor dem Hintergrund veränderter Wirtschaftsräume

Wirtschaftliche Fragestellungen wären einfach zu beantworten und leicht zu lösen, wenn es nur nicht die ständigen Veränderungen an den Ausgangsbedingungen gäbe! Die gibt es aber und das weiß schon der Volksmund: “Nichts ist so beständig wie der Wandel!” Um diesen möglichst erfolgreich zu bewältigen und um “am Ball” zu bleiben sind wir gefordert, unser Verhalten ständig anzupassen. Das gilt für jedes Individuum ebenso wie für Unternehmen und Organisationen.

Seit Mitwirkung an einem Forschungsprojekt der Universität Hamburg zur “Arbeit in virtuellen Organisationen” im Jahr 2005 wird der Arbeitsschwerpunkt Forschungsarbeit von forum-fuehrung.com verstärkt und nach aussen dargestellt. Dabei geht es um die Erforschung der Konturen des Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft ebenso wie um Fragen nach wohlstandsstabilisierenden Verhaltensstrategien, z. B. durch angemessene Massnahmen zur Organisationsentwicklung. Ein sehr interessantes Forschungsvorhaben hat hier im Sommer diesen Jahres das Bundesministerium für Bildung und Forschung zur »Balance von Flexibilität und Stabilität in einer sich wandelnden Arbeitswelt« angekündigt. Gerade vor dem Hintergrund der besonders auch durch die Kapitalmärkte massiv angetriebenen Veränderungen unserer Wirtschaftsräume – so wird es in der Bekanntmachung des BMBF deutlich - ist die Frage nach Balance sowohl auf der mikro- als auch auf der makroökonomischen Ebene relevant für unseren immateriellen und materiellen Wohlstand.

Forschungsarbeit erfolgt und wirkt aber nicht nur auf gehobener oder gar abgehobener Ebene. Auch im kleinen Rahmen leistet sie Beiträge zur Erkundung von Markttrends, Kundenwünschen und der Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitern. Ein wesentlicher Effekt ist die hier die Identifikation von Potentialen, die entweder durch latenten, nicht artikulierten Bedarf entstehen oder durch unerkannte Störfaktoren, deren Beseitigung die Steigerung von Produktivität ermöglicht. Ein mehrstufiges Forschungsprojekt “Effiziente Zusammenarbeit” in Kooperation mit der www.koenigsteiner-akademie.de  zur Identifikation von Erfolgs- und Störfaktoren in diesem Themenfeld ist in den letzten Wochen vorbereitet worden und steht kurz vor der Erstaussendung von Fragebögen. Dies ist ein Beispiel dafür, wie Forschungsarbeit gerade vor dem Hintergrund veränderter Wirtschaftsräume auch im privatwirtschaftlich organisierten Mittelstand erfolgen und wirksam werden kann, wenn sie sich auf die wesentlichen Erfolgstreiber konzentriert.

Über die weitere Forschungsarbeit von forum-fuehrung.com wird an dieser Stelle regelmässig zu Themenschwerpunkten, Fragestellungen und Zwischenergebnissen berichtet.

Zum Niedergang der »Spielkasinos«

Seit über einem Jahr verfolge ich mit grossem Interesse und einer extremen Gefühlsmischung die Krise in der Finanzwirtschaft. Dabei bin ich der Überzeugung, dass meine innere Haltung nicht ideologisch vorgefasst ist, weil ich weder Anhänger staatlicher Planwirtschaft noch feuriger Verfechter der Theorie des „reinen Marktes“ bin, der im Staat nur Probleme und keine Lösung sieht. Aber darauf komme ich gleich noch einmal zurück.

Was in mir Schwindel verursacht, das sind die Summen, um die es geht: 100, 200, 500, … 1.000 Mrd. Dollar. Oder doch eher das doppelte? Der Schwindel, den ich empfinde, ist auch gleich das Gefühl von Ohnmacht. Aus dem Bauch, aus meiner Intuition heraus spricht die innere Stimme: „Das hat nichts zu tun mit der Welt, in der Du Dich bewegst. Da kannst Du nicht mitreden!“ Schön wäre, wenn das „nicht mitreden“ dazu führen würde, auch „nicht mitbetroffen“ zu sein. Aber da ist mein Verstand und der erklärt mir schnell, dass die Katastrophe auch in meine Lebens- und Arbeitswirklichkeit eindringen wird. Wann, wie und in welchem Umfang, das wird sich noch zeigen.

So ist es auch der Wunsch, überhaupt erst einmal zu verstehen, was da geschieht, der Antrieb zur Auseinandersetzung. Ich suche nach den passenden Begriffen: Sind die Investmentbanken wirklich »Spielkasinos«, wie es in den letzten Tagen in der Wirtschaftspresse vermehrt zu lesen war? Der Vergleich mit dem Glückspiel scheint mir treffend, wenn man liest, die treibenden Akteure hätten den Überblick und das Verständnis für die Zusammenhänge verloren. Sie haben sich verzockt. Jetzt suchen sie Hilfe bei der Ordnungsmacht des Staates und der greift ein, um nach der Kastastrophe einen Super-Gau zu verhinden. Wahrscheinlich ist das richtig so, macht die Angelegenheit aber endgültig zu einer Frage der Politik, der Wirtschaftpolitik und der Wirtschaftsordnung.

Zur Sache: Hier werden Schulden in gigantischer Dimensionen – vom 700 Mrd. Dollar war zuletzt die Rede – auf die Allgemeinheit übertragen, mit dem Argument, dass die Übernahme der Schulden gegenüber einer möglichen Kettenreaktion, die durch Nichteingreifen entstehen würde, das kleine Übel darstellt. Dieses „kleinere Übel“ ist aber immerhin noch so gross, dass es die USA an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führt.

Ohne eine abschliessende Lösung, ja, ohne einen fundierten Ansatz zur Lösung der Thematik wird der hier veröffentlichte Kommentar enden. Eigentlich ist es nicht einmal ein Kommentar, sondern ein unvollständiger Zwischenruf zur Gefahr und zur Bedeutung, die die Ereignisse beinhalten. Eines scheint aber sicher: Hier ist – im Gegensatz zur Ideologie des „unregulierten Marktes“ – nicht der Staat das Problem. Vielleicht ist er nicht die letzte Lösung, wohl aber der Retter in höchster Not. In jedem Fall werden hier die Grenzlinien zwischen Wirtschaft und Politik neu gezogen. Was das für unsere Zukunft bedeutet, wie weit die jetzt umverteilten Lasten unsere zukünftige wirtschaftliche Freiheit einengen, wie in der Finanzwirtschaft weitergewirtschaftet werden soll, das alles sollten wir genau beobachten und, wo möglich, auch beeinflussen! (Andreas Stein)

Sind wir Zeugen eines Weltuntergangs?

Mit Weltuntergangs-Prophezeiungen sollte man sehr vorsichtig umgehen, das ist meine Meinung. Im Angesicht des drohenden Untergangs verlieren viele Menschen ihre Fassung und handeln “kopflos”. Das führt in der Regel zu einer weiteren Verschlechterung der allgemeinen Situation, verstärkt also die bestehende Gefahr. Um aber der Verstärkung der Gefahr zu entgegnen, ist es nach meiner Auffassung besser, Hoffnung zu stiften und “Apfelbäumchen” zu pflanzen.

Trotz meiner Vorbehalte zur Ankündigung von Weltuntergängen empfinde ich die Titelzeile zur akuten Finanzkrise, die heute auf SPIEGEL ONLINE zu lesen ist, nicht unangemessen: »Die Welt, wie wir sie kennen, geht unter«. Ich lasse diese Behauptung stehen, weil sie nicht den Untergang der ganzen Welt verkündet, sondern nur den der uns aus den letzten 2 Jahrzehnten bekannten und vertrauten (Finanz-)Welt.

Aber wohin geht die Reise? Ich schaue auf FAZ.net und finde eine Erklärung von Frank Schirrmacher, der »Das Zeitalter des Unglücks« ankündigt. Er begründet seine Deutung mit dem Verdacht “Es müssen irgendwo Verrückte herumlaufen, die bis Montag nicht aufgefallen sind, weil ihr Wahn identisch war mit der Logik des etablierten Systems”. Zu dieser Logik gehört, so analysiert Schirrmacher, dass die Akteure des Finanzwesens (während sie sich die Taschen füllen, Anm. des Autors) etwas tun, wovon sie nichts verstehen, und den entstehenden Schaden auch so entschuldigen: “Wir haben es nicht verstanden”. Diese inzwischen gesellschaftlich akzeptierte “Unterbrechung der Kausalkette” hat zur Folge, dass es keine Verursacher mehr gibt. Nach Schirrmacher ein “geniales Schuldumwälzungsmodell” mit verheerenden Folgen durch Vernichtung unserer gesellschaftlichen Ideale.

Jetzt sind wir also gewarnt, und wir sind die Zeugen. Die alte Welt wird untergehen. Ihre Börsen haben uns Wachstum und Wohlstand versprochen. Mit dem Platzen der Versprechungen und Erwartungen, mit der wachsenden Gefahr, dass Wachstum und Wohlstand für immer mehr Menschen akut bedroht und eingeschränkt wird, hat der Untergang dieser alten Welt begonnen.

Was bleibt ist die Frage nach der neuen Welt. Wir müssen die Hoffnung wagen, ihr schon einmal Apfelbäumchen zu pflanzen. Wir sollten unsere passive Zuschauer-Rolle verlassen und mit Gedanken, Worten und Taten aktiv werden für die Ausgestaltung der neuen Welt.  Wann wollen wir beginnen?

33. Mittelstandstag in Bad Arolsen: Wohlstand durch Produktivität

MIT-Landesvorsitzender Edwin Balzter und Kreisvorsitzende Elke Jesinghausen bedanken sich beim hessischen Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel für seinen Redebeitrag

Unter dem Motto “Die Mitte stärken! Wettbewerb, Markt, Fleiß und Gerechtigkeit = Wohlstand für Alle” stand der 33. Mittelstandstag des MIT-Hessen am 13.09.08 in Bad Arolsen. Gerade im Mittelstand, so machte es der hessische Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel in seiner Rede mit einigen Beispielen deutlich, sind diese Erfolgsfaktoren der Wohlstandsbildung lebendig und deshalb für unsere Gesellschaft von grosser Bedeutung auch in der Zukunft. Die Forderungen nach Wettbewerb, Markt, Fleiß und Gerechtigkeit brachte er auf den Punkt: Mit dem Schlüsselbegriff »PRODUKTIVITÄT« bezeichnete Rhiel den Treiber des Wohlstands in einem Wort.

Die Soziale Marktwirtschaft bietet uns 60 Jahre nach ihrer “Erfindung” auch für die Zukunft ein erfolgsversprechendes Wirtschaftsmodell. Davon ist der MIT-Hessen überzeugt, dafür engagiert sich der Verband. So forderte Landesvorsitzender Edwin Balzter im Grusswort zur Veranstaltung “die Soziale Marktwirtschaft als Maßstab für Freiheit und Wohlstand” für die ganze Welt. Jedoch, und das wußte auch schon Ludwig Erhard, ist der Weg zur Verwirklichung von Wohlstand nicht ohne den Einsatz der ganzen Person möglich:

»Es ist meine Überzeugung, dass die unserer Zeit gestellten Aufgaben die volle Persönlichkeit erfordern. Und es wird unserem Volke zum Wohle und Segen gereichen, wenn wir eine Wirtschaftsordnung verwirklichen, die an Stelle des von allen Volksschichten verabscheuten Schematismus und Bürokratismus der Freizügigkeit eines seiner sozialen Verantwortung bewußten Handelns Spielraum gibt.« (L.E., Gedanken aus fünf Jahren, S. 72)

Wenn wir heute Berichte vom Systemversagen des Monster-Kapitalismus (am Beispiel der US-Finanzwirtschaft) einerseits und der planwirtschaftlich geprägten Funktionärswirtschaft andererseits (Beispiel des menschenrechtsmissachtenden China) sehen, hören und lesen, dann muten Erhards Auffassungen mehr als aktuell an. Und deshalb scheinen die Forderungen des MIT-Hessen nach einer stärkeren Beteiligung des Mittelstands, wo nach den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft gearbeitet wird, an der weiteren politischen Ausgestaltung unserer Wirtschaftsordnung als absolut berechtigt.

Ist Wirtschaftsethik ökonomischer Unsinn?

Von Dr. Friederike Müller-Friemauth

Corporate Governance, Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship – das Thema Unternehmensmoral ist allgegenwärtig. Arbeitsplatzverlagerungen, Korruption in Großunternehmen, hohe Boni für das Top-Management – eine Flut von Schlagzeilen, die dem Thema Wirtschaftsethik zu ungeahnter Aufmerksamkeit verholfen haben.

Mit der Konsequenz, dass viele Unternehmen sich geradezu genötigt sehen, in großen Medienkampagnen auf ihr Engagement im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) hinzuweisen: Laut einer Studie der Hochschule Pforzheim hat sich der Anzeigenanteil mit CSR-Schwerpunkten in wichtigen Print-Medien wie “Spiegel”, “Focus” und “Wirtschaftswoche” seit 2002 vervierfacht. Jede zehnte Anzeige bezieht sich derzeit auf sozial verantwortliche Unternehmensführung.

Lesen Sie mehr im vollständigen Artikel … (pdf)

Herzlichen Dank für die Erlaubnis zur Nachveröffentlichung an die Autorin und www.sinus-sociovision.de

33. Landesmittelstandstag der MIT Hessen am 13.09.2008 in Bad Arolsen

Unter dem Motto „Die Mitte stärken! Wettbewerb, Markt, Fleiß, Gerechtigkeit = Wohlstand für Alle“ wird die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Hessen (MIT) ihren 33. Landesmittelstandstag am Samstag, 13. September 2008, in Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) veranstalten. „Sechzig Jahre nach ihrer Gründung steckt das Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft im öffentlichen Meinungsbild in einer Vertrauens- und Akzeptanzkrise.” Lesen Sie mehr zur Veranstaltung in der Pressemitteilung des MIT-Hessen …

Interessenten an der Veranstaltung finden hier den Programmflyer und eine Faxanmeldung

US-Regierung verstaatlicht Baufinanzierer

Was der Wirtschaftspresse (Handelsblatt, Wirtschaftswoche, F.A.Z., etc.) in diesen Tagen zu entnehmen ist – die Verstaatlichung der US-Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac – soll auch auf dieser Plattform eine kurze Notiz erfahren. Schliesslich ist die USA als “Mutterland des freien Marktes” in der Welt bekannt und hat sich in den letzten Jahrzehnten als Bollwerk gegen fast jede Form der staatlichen Einmischung in die Wirtschaft profiliert. Warum wird hier am Beispiel der beiden Baufinanzierer eine Ausnahme markiert, die schon bald weitere Nachahmer finden könnte?

Mit einem Kredit-Portfolio von rund 5.000 Mrd. Dollar sind diese beiden Banken wohl einfach zu gross, um sie sterben zu lassen. Sprich: Unter Abwägung des “kleineren Übels” und aus Angst, eine vollkommene Pleite könne eine Kettenreaktion mit unbekannten Ausmassen herbeiführen, scheint die Übernahme der Verluste für die US-Volkswirtschaft von geringerem Nachteil als alle Alternativen, die zur Verfügung stehen. Das System des freien Marktes könnte in diesem Fall den Wohlstand einer ganzen Nation, vielleicht sogar den Wohlstand der Weltwirtschaft ruinieren.

Wahrscheinlich ist es richtig, dass die US-Regierung hier unter akuter Gefahr der Vernunft die Vorfahrt vor dogmatischen Prinzipien zur Wirtschaftsordnung einräumt. Aber natürlich stellt sich an diesem Beispiel die Frage, ob der Staat immer dann eingreifen muss, wenn die Privatwirtschaft nach langen Gewinn-Phasen ihr Schäfchen ins Trockene gebracht und nichts zurücklässt als ausgedrückte und hochverschuldete Unternehmenshüllen, deren “Entsorgungskosten” sie nicht zu tragen bereit ist. Wird das Beispiel der beiden Baufinanzierer Schule machen und zum Umverteilungs-Muster werden? Die Diskussion um diese Fragestellungen wird uns in Zukunft im Zusammenhang mit unserer “wirklichen Wirtschaftsordnung am Anfang des 21. Jahrhunderst” wohl noch eine Weile beschäftigen. Und das muss auch sein!

Mehr Markt- oder mehr Staatswirtschaft, was bringt die Zukunft? Schreiben Sie Ihre Meinung!

Vorwärtsperspektiven sind Geld wert

Seit Jahren tobt ein turbulentes Tauziehen um die Vorwärts- und Zukunftsperspektiven von Unternehmen. Sie sind aufgefordert, ihre Zukunftsattraktiviät glaubwürdig und anziehend zu machen. Die Akteure dieses turbulenten Tauziehens kommen aus der Finanzbranche, aus dem Kunden- und Marktumfeld, aus der Mitarbeiterschaft und aus dem Management der jeweiligen Unternehmen. Sie alle versuchen, ihre spezifischen Belange in diesem Tauziehen in den Vordergrund zu spielen. Die Finanzbranche sucht nach den renditeträchtigsten Unternehmen, um dort ihr Kapital zu investieren. Die Kunden suchen nach Unternehmen mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Die Mitarbeiter suchen nach Unternehmen, die die besten Karrierechancen bieten.  Das Management sucht nach Möglichkeiten, die die Bedeutung des eigenen Wirkens und dessen Bestätigung durch hohe Vergütungen bieten.

Bei diesem Tauziehen um den Vorteil der eigenen Perspektive kann ein Unternehmen auch schon einmal “zerreißen”. Ich selbst habe solche unschönen Spektakel in meiner Praxis schon “live” miterlebt. Der “Übermotivation” der Beteiligten fällt das gemeinsame Interesse - nämlich die Teilhabe an der Zukunft des Unternehmens – zum Opfer. Es wird so lange am Tau gezogen, bis es reißt. Auch dann, wenn davon zum Schluss niemand profitiert.

Um solche sinnlosen Entwicklungen zu vermeiden, um nach der Aufteilung dessen, was bis gestern erwirtschaftet wurde dafür zu sorgen, dass auch morgen noch Wertschöpfungspotentiale zu bewirtschaften sind, ist die konsequente Vorbereitung auf die Zukunft gefordert. Und hierfür bietet nun das Bundeswirtschaftsministerium unter der Bezeichnung “Zukunftscheck Mittelstand” ein fundiertes Planungsinstrument an. Es baut auf die wissenschaftliche Diskussion der “immateriellen Werte” der letzen 10 Jahre und an die so bezeichnete “Wissensbilanzierung”.

Zum Namen des Programms: Weder “Wissensbilanz” noch “Zukunftscheck” halte ich für optimal. Ich habe einmal nachgedacht, und mir ist der Begriff “Potentialbilanz” eingefallen. Darunter könnte man alle Potentiale verstehen, die sich ein Unternehmen (eine Organisation) aufgebaut hat, um damit in Zukunft Geld zu verdienen, z. B. durch Ausbildung von Mitarbeitern oder durch gute Marktbeziehungen. Diese Potentiale sind durch den Einsatz von Ressourcen (Zeit, Geld) entstanden und stellen somit einen WERT für die Zukunft dar. Potentialbilanz steht also für die aufbereiteten und angesparten Potentiale, die in einer Zusammenfassung “bilanziert” und damit in Zukunft nutzbar werden.

Aber bitte keine Verwirrung mit vielen Begriffen, der Sinn und Zweck ist entscheidend: »Zukunftscheck Mittelstand« ist eine wertvolle Hilfe, die Vorwärtsperspektiven von mittelständischen Unternehmen darzustellen, zu stabilisieren, zu stärken und auszubauen. Um in den Genuss guter und besserer Vorwärtsperspektiven zu gelangen, sind allerdings ein paar Investitionen notwendig, besonders durch die Zeit, die die relevanten Akteure und Nutzer zum Auf- und Ausbau von Vorwärtsperspektiven benötigen. Dabei ist die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen immer nur durch Schätzung zu beantworten. Es empfiehlt sich also dosiertes und schrittweises Vorgehen. Ist aber erst einmal ein Anfang gemacht, dann läßt sich die Geschwindigkeit der weiteren Vorgehensweise an den Bedarf anpassen. Deshalb der Tipp: Anfangen ist das Wichtigste am Prozess. Der weitere Weg entwickelt sich während des “Gehens”. Und dabei immer daran denken: Vorwärtsperspektiven sind Geld wert!

Mehr über »Zukunftscheck Mittelstand« erfahren sie auf Rückmeldung an andreas.stein@forum-fuehrung.com