Archiv für die Kategorie „- Wirtschaft“
Stimmen aus Berlin im August 2010
Von Andreas Stein, Kassel
Im August (09.-14.08.10) möchte ich einen kleinen Abstecher nach Berlin unternehmen. Diese Gelegenheit will ich nutzen, ein paar Stimmen aus Berlin zu sammeln. Wie denken und fühlen Hauptstadtbewohner, wenn Sie zu den Perspektiven von »Bildung, Wirtschaft und Entwicklung« sprechen. Ich werde meine Videokamera mit auf meine Reise nehmen und Stimmen sammeln, die ich danach in der Facebook-Gruppe des FBWE veröffentliche. Mal sehen, wen ich alles vor die Linse und zum Sprechen bekomme. Ich bin schon ganz gespannt!
Um meine Stimmensammlung gut vorzubereiten, habe ich unter der Gruppendiskussion auf Facebook das Thema »Stimmen aus Berlin im August 2010« angelegt. Außerdem will ich in der dortigen Gruppe noch eine Veranstaltung anlegen, in der die Stationen meiner Reise bekannt gemacht werden. Ich erhoffe mir von dieser Aktion ein paar gute Anregungen, die ich als gewählter Vorsitzender des FBWE in die Bildungsarbeit des Vereins zukünftig einbringen kann. Dafür bitte ich um Unterstützung.
Finanzexperte Frank Schäffler, MdB (FDP), zu den Bankenstresstests in Europa
“Das notwendige Vertrauen werden die Ergebnisse des Stresstests nicht liefern. Dafür wäre eine Vergleichbarkeit der Institute notwendig gewesen. Die Finanzaufsicht hätte dafür transparente Standards entwickeln müssen. Dies wurde versäumt und damit eine große Chance vertan, Vertrauen zu schaffen. Vertrauen ist jedoch die notwendige Bedingung dafür, das der Interbankenmarkt wieder funktioniert und die Rolle der EZB und Ihrer Notenbanken als “Retter der letzten Instanz” überwunden wird. Das Ergebnis ist: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
Klar muss jedoch sein, dass die Rekapitalisierung der durchgefallenen Institute die Aufgabe der Eigentümer ist. Sollten diese nicht in der Lage sein, muss eine geordnete Abwicklung dieser Banken stattfinden. Der Marktaustritt ist der beste Regulator. Es darf nicht erneut zu einer Sozialisierung von Verlusten auf Kosten der Steuerzahler in Europa kommen. Diese Wettbewerbsverzerrung muss verhindert werden.”
Ein Zwischenstand der Diskussion um »Das neue liberale Grundsatzprogramm«
Themen und Anzahl der Beiträge im FB-Diskussionsforum zum neuen liberalen Grundsatzprogramm (Klick zur Vergrösserung)
Am 29.06.10 ist auf der Netzwerk-Plattform Facebook eine Gruppe entstanden, die sich inhaltlich mit der Begleitung der Entwicklung eines neuen liberalen Grundsatzprögramms beschäftigt. Diese Gruppe zählt nach gut 2 Wochen bereits über 900 Mitglieder und hat in ihrem Diskussionsforum über 300 Diskussionsbeiträge gesammelt, die sich über bisher 15 Themenschwerpunkte verteilen. Nun liegt hier erstmalig eine quantitative Auswertung vor, in der die Anzahl der Beiträge innerhalb der unterschiedlichen Schwerpunkte in einem Diagramm visualisiert sind. Sicherlich ist dies für die weitere Arbeit am Thema ein interessanter Hinweis auf die Interessenschwerpunkte der aktiv engagierten Gruppenmitglieder.
Facebook-Gruppe »Das neue liberale Grundsatzprogramm«:
http://www.facebook.com/group.php?gid=115509661828833
Einladung an alle gesellschaftlich engagierten Bürger:
http://news.forum-fuehrung.com/?p=5230
Das neue liberale Grundsatzprogramm:
http://news.forum-fuehrung.com/?p=5218
FDP-Finanzexperte Schäffler: Euro-Notfonds ist kein Subventionsprogramm für Banken
Zur Ankündigung von EU-Währungskommissar Rehn, der europäische Notfall-Fonds könne auch zur Bankenrettung genutzt werden, erklärt der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler MdB: »Der Euro-Stabilisierungsfonds darf nicht zur Bankenstützung missbraucht werden. Vereinbart ist, dass Staaten, die sich in Zahlungsschwierigkeiten befinden, nach Abstimmung mit der Kommission, dem IWF und der EZB finanziellen Beistand beantragen dürfen. Sollte ein Staat nach Veröffentlichung der Bankenstresstests der Meinung sein, er müsse eine Bank stützen, so ist dies seine eigene Entscheidung und aus dem eigenen Haushalt zu finanzieren. Der Euro-Rettungsschirm ist kein Subventionsprogramm für unterkapitalisierte Banken. Eine Stützung der Banken würde den Zweck des Fonds handstreichartig ändern und letztendlich pervertieren.«
Kommentar zur FDP: Reformen statt Klein-Klein
Von: Mirko Welsch, Augsburg
Nun stehen die Liberalen in Deutschland am Scheideweg über die künftige Marschrichtung. Der “Motor für Deutschland” ist ins Stocken geraten und die “Freiheitsstatue Westerwelle” ins Wanken noch dazu. Grund dessen ist, dass man trotz langer Vorbereitungsphase es nicht geschafft hat sich personell und programmatisch für die Regierungsaufnahme zukunftsweisend aufzustellen.
Lange Zeit wirkte Guido Westerwelle wie ein Einzelkämpfer und seine Stellvertreter Brüderle, Pieper und Pinkwart wie im Dauerschlaf. Der ganze PR-Apperat wurde ins Entwicklungsministerium abgezogen statt dafür zu sorgen, dass man beruhigt Liberale Thesen von Anfang an positiv unter das Volk bringen kann. Im Rausche des hohen Wahlergebnisses hat man es verpasst sich gegenüber CDU und CSU deutlich zu positionieren. Aufgrund dieser unprofessionellen Umstellung ist man dahin abgerutscht, wohin man nicht mehr wollte: Im Tabellenkeller.
Zur Aussage von Generalsekretär Lindner, dass Westerwelle nur ein Spiel (die NRW-Wahl) verloren hat, muss ich widersprechen. Bei der Bundespräsidentenwahl, bei der Haushaltsplanung und bei der Gesundheitsplanung hat man ebenfalls keine Tore platzieren können. Deswegen ist es wichtig, dass man nichts mehr beschönigt sondern klar das Falsche benennt und neue Wege aufzeigt.
Umstrukturierung in Führung dringend notwendig
Dazu zählt es auch, dass man sich personell erneuert. Ein Christian Lindner reicht alleine nicht aus. Vielmehr wäre es wichtig, mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Bürgerrechts-Expertin und mit Phillip Rösler einen integrierten Ex-Migranten und Modernisierer zur Seite zu stellen. Gerade die letzte personelle Entscheidung wäre ein richtiges und wichtiges Signal in Richtung CSU.
Desweiteren muss man aber auch sich programmatisch besser aufstellen: So wird das Liberale Bürgergeld noch immer zu stiefmütterlich behandelt und auch die notwendige Mehrwert- und Gesamtsteuer-Reform nicht deutlich genug umworben. So kann man durchaus gerade in der jetzigen Zeit des Aufbruchs die Steuern senken und umstrukturieren. Nur nicht wahllos – eher gezielt. Wie bei der Abschaffung der KfZ-Steuer zugunsten einer Auto-Maut. Oder Reduzieren der MwSt-Ermäßigung inklussive Senkung einer Gewerbesteuer zugunsten der Gemeinden. Hier aber muss man den Mut für neue Wege haben.
Genau aber das ist das Problem der derzeitigen Führungsmannschaft um Brüderle, um Pieper und um Solms. Mit Thesen der 80er und 90er lässt sich sowenig zukunftsweisende Politik machen wie mit den Thesen von Marx und Engels. Um das aber zu erkennen brauchen die Liberalen dringend die Bereitschaft auch an sich selbst zu arbeiten. Schließlich wird sonst der Reform-Motor auf Dauer zu einem veralterten historisch-wertvollen Gerät. Das zu verhindern ist dringend geboten für die Zukunft dieser Partei. Gerade aus Respekt der Wählerinnen und Wähler der letzten Bundestagswahl. Anpacken statt weiter nur im Abseits zu stehen. Die Nationalmannschaft hat es vorgemacht. Jetzt sind die Liberalen an der Reihe nach vielen Eigentoren auch mal positive Spielzüge an den Tag zu legen.
Online-Umfrage einer Identitätsstudie der Wirtschaftsregion Bodenseekreis
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Reiseziel ist der Bodensee mit seiner unvergleichlichen Kultur, einmaligen Landschaft und Sehenswürdigkeiten international bekannt. Doch wussten Sie, dass die Bodenseeregion auch als Wirtschaftsstandort einiges zu bieten hat? Um die prägendsten Merkmale der Bodenseeregion als Wirtschaftsstandort zu erfassen, führt die Bodensee Standort Marketing GmbH in Zusammenarbeit mit der HTWG Konstanz eine Identitätsstudie durch. Die Studie besteht aus einem Fragebogen mit 24 Fragen, die in ca. 5 Minuten kurz und knapp beantwortet werden können. Wir bitten Sie herzlich, an der anonymen Befragung unter folgendem Link teilzunehmen:
http://www.unipark.de/uc/HTWG_Konstanz_Hassemer_LS/8ed5
Durch Ihre Mitarbeit helfen Sie uns zu erkennen, wie der Wirtschaftsraum Bodensee von den Menschen wahrgenommen wird und unterstützen uns, durch entsprechende Marketingmaßnahmen die Bodenseeregion als Wirtschaftstandort zu stärken. Mit dieser Nachricht haben Sie nicht nur Zugang zum Fragebogen sondern auch die einmalige Gelegenheit, bei einem internationalen Projekt mitzuwirken und es damit voranzutreiben. Nehmen Sie sich 5 Minuten Ihrer Zeit und helfen Sie uns, unserem Ziel ein Stück näher zu kommen. Einsendeschluss ist der 30.06.2010.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Freundlich grüßt Sie aus der Wirtschaftsregion Bodenseekreis
Marvonne Röhrich
Assistenz der Geschäftsführung
Wirtschaftsförderung Bodenseekreis* GmbH (WFB)
Leutholdstraße 30, 88045 Friedrichshafen
Tel.: 07541 38588-20, Fax: 07541 38588-33
roehrich@wf-bodenseekreis.de
www.wf-bodenseekreis.de
Wenn wir mehr bewirken wollen, müssen wir unsere Verteilerkreise vergrößern
Von Andreas Stein, Kassel
Wir erleben z. Z. aufregende Zeiten. Nach einer längeren Phase der sozialen Apathie löst die Bewerbung von Joachim Gauck für das Amt des Bundespäsidenten in grösseren Teilen der Bevölkerung Hoffnung und sogar eine (noch etwas zaghafte) Aufbruchstimmung aus. Unterstützt wird das alles von einer sehr aktiven “Netzgemeinde”, die es mit Unterstützergruppen von mehr als 35.000 Mitgliedern (im Internet auf Facebook) für den Kandidaten Gauck sogar in die Berichterstattung der Massenmedien geschafft hat. Aber “wir”, die wir einen bürgerlichen Aufbruch wünschen, sollten uns nicht allzuviel vormachen. Die Bundespräsidentenwahl am 30.06. allein wird soviel nicht verbessern, wie sich viele Akteuere im Augenblick davon versprechen. In jedem Fall, unabhängig davon wer der nächste Bundespräsident wird, fängt die Arbeit an Erneuerungen, die Deutschland zukunftsfähig machen, erst richtig an. Immerhin muß ein Mainstream korrigiert werden, der die westlichen Gesellschaften über 25 Jahre geleitet hat und der nun über seine Grenzen hinaus geschossen ist. Die Aufgabe, die es nun zu lösen gilt, ist eine Generationsaufgabe. Das scheinen viele noch nicht begriffen zu haben, wenn man beobachtet, wie viele Süppchen (bei grossen Berühungsängsten) auf unterschiedlichen Feuerstellen gekocht werden. Aber nicht das Suppenkochen ist im Augenblick der Engpaß. Der Engpaß ist die Verteilung der besseren Suppe in breiten “Genießerkreisen”. Wenn wir also mehr bewirken wollen, müssen wir unsere Verteilerkreise vergrössern!
Ich möchte dazu meinen Beitrag leisten, indem ich meine Erfahrungen beisteuere. Für mich ist dabei das ”Basislager” meiner Arbeit die Online-Redaktion hier auf www.forum-fuehrung.com. In den nächsten Tagen werde ich eine Liste von Arbeitsaufgaben zusammenstellen, die das Ziel der Vergrösserung der Verteilerkreise fördern. Ich bitte alle interessierten Kooperationspartner, mich bei dieser Arbeit zu unterstützen, indem sie diese Aufgabenliste nutzen und um ihre eigenen Erfahrungen erweitern. Das ganze Verfahren soll aber nicht vollständig öffentlich ablaufen, sondern in einem qualifizierten Kreis von Partnern. Schließlich wollen wir von unserem intensiven Engagement auch selbst ein wenig profitieren, was vollkommen legitim ist. Es geht dabei nicht um Geheimniskrämerei, sondern um die Bereitschaft, eine Führungsrolle für die Zukunft anzunehmen. Interessenten bitte ich aus den genannten Gründen, sich per Mail über andreas.stein@forum-fuehrung.com an mich zu wenden.
Hat schon einmal jemand über ein Schulden-Moratorium nachgedacht?
Eben habe ich den folgenden Beitrag in Facebook gestellt: Zu einem aktuellen Link auf einen aktuellen F.A.Z.-Artikel zur aufziehenden Finanzkrise in Spanien habe ich die Frage getellt: “Wie wird die bekämpft? Mit neuen Schulden? Oder hat schon einmal jemand über ein Schulden-Moratorium nachgedacht?” Sie können mir (auch hier auf Facebook) Ihre Antwort dazu mitteilen.
Liberales Institut präsentiert Info-Paket zur Finanzkrise
Das Liberale Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat eine Auswahl an Publikationen zum Thema Finanzkrise zusammengestellt. Schon der Überblick zeigt: Wer sich ein Bild machen möchte, kann nicht bei einfachen Erklärungsmustern verharren, nach denen etwa nur ein paar rücksichtslose Spekulanten an den Problemen schuld sind …
Quelle: http://www.freiheit.org/webcom/show_article_bb.php?wc_c=151&wc_id=15521
Kirchentag: Bundesregierung soll konsequent auf erneuerbare Energien umstellen
Resolution der Klima-Allianz mit großer Mehrheit angenommen
München/Berlin. Auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München ist die Bundesregierung am Mittwoch (13.5.) aufgefordert worden, am Atomausstieg festzuhalten und den Neubau von Kohlekraftwerken zu stoppen. Außerdem soll sie die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien konsequent durchführen. Dies ist der Inhalt einer Resolution, die von der Klima-Allianz eingebracht wurde. Die große Mehrheit der rund 1.500 Besucher einer Veranstaltung über „Energie für Deutschland“ hat sich dem angeschlossen.
Die Klima-Allianz fordert ein Energiekonzept, das die Reduzierung der deutschen Treibhausgase um mindestens 40 Prozent bis 2020 und mindestens 95 Prozent bis 2050 zum Ziel hat. Die Effizienz von Energie soll wirksam gefördert werden. Zu einem zielgerichteten Klimaschutz gehören demnach auch der Abbau klimaschädlicher Subventionen und eine konsequente Förderpolitik.
Bereits vor zehn Jahren wurde mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Atomausstieg die Umstellung auf eine zukunftsfähige Energieversorgung begonnen. Künftig sollten erneuerbare Energien die Grundlast des Strombedarfs decken. Für Spitzenlasten müssten sie durch einen flexiblen Kraftwerkspark ergänzt werden. Atom- und Kohlekraftwerke seien dafür aber nicht flexibel genug und kämen deshalb als „Brückentechnologie“, wie von der Regierungskoalition propagiert, nicht in Frage.
Die Klima-Allianz verweist auf zahlreiche Studien, die belegen, dass eine vollständig erneuerbare Stromversorgung bis 2050 „klimaverträglich, sicher und bezahlbar“ ist. Die Bundesregierung müsse diese Studien endlich zur Kenntnis nehmen. Erneuerbare Energien und der wirkungsvolle Einsatz von Energie leisteten nicht nur einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz. Sie würden auch zukunftsfähige Arbeitsplätze sichern und schaffen.
Die Klima-Allianz ist ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus rund 100 Organisationen. Die Evangelische Kirche von Westfalen ist Gründungsmitglied. Dabei sind unter anderem auch der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Deutschlands (NABU), Greenpeace, aber auch Brot für die Welt, die Diakonie-Katastrophenhilfe, der Evangelische Entwicklungsdienst EED, und Misereor sowie zahlreiche evangelische Landeskirchen.
“Die Krise nicht verschwenden!”
Rede von Bundespräsident Horst Köhler beim IX. Munich Economic Summit am 29. April 2010 in München
Stellen Sie sich vor, die Stromerzeuger hätten ein neues Versorgungssystem installiert, das ihnen prächtige Gewinne beschert und dann allen anderen vier Wochen Stromausfall. Stellen Sie sich vor, die Bauern würden mit neuen Anbaumethoden erst reich werden und dann alle sieben Jahre eine Missernte auslösen. Stellen Sie sich vor, die Wasserwerke machten uns mit Innovationen ihr Leitungswasser schmackhaft wie nie und dann würde innovationsbedingt plötzlich kein Trinkwasser mehr aus den Hähnen kommen.
Stellen Sie sich vor, das wäre in allen drei Fällen durchaus vorhersehbar gewesen und auch vorausgesagt worden. Dann würden Sie sich doch zwangsläufig fragen: Ist es denn nicht Aufgabe des demokratischen Staates, seine Bürger zu schützen? Und müsste der Staat dann nicht alles in seiner Macht Stehende tun, damit nie wieder ein Geschäftszweig sein Wachstum und seine Gewinne mit dem Risiko steigert, dass viele andere darunter existenziell zu leiden haben? Die Antwort kann nur Ja! lauten.
Der neunte Munich Economic Summit ist dem Thema gewidmet “The financial crisis: The way forward”. Diesen Weg vorwärts werden wir nur finden, wenn wir weit über die Finanzkrise hinaus denken. Wir dürfen die Krise nicht verschwenden, sondern müssen aus ihr lernen. Sie hat sehr grundsätzliche Fragen aufgeworfen. Darum halte ich drei Antworten auf die Krise für geboten: Wir brauchen erstens Finanzmärkte unter dem Primat demokratischer Politik und im Dienst der Gesamtwirtschaft. Wir brauchen zweitens eine Wirtschaft im Dienste der gesamten Gesellschaft. Und wir brauchen drittens ein gesellschaftliches Miteinander, zu dem alle beitragen. Das sind drei Gestaltungsaufgaben, die uns niemand abnimmt. Sie verlangen den Mut der Politik, die Einsicht der Bürger und die Bereitschaft zur demokratischen Selbstbestimmung. (…)
Lesen Sie die vollständige Rede von Bundespräsident Horst Köhler beim IX. Munich Economic Summit am 29. April 2010 in München
Wachstumsfelder der Zukunft (I)
Von Andreas Stein, Kassel
Ich habe mich nun einige Jahre umgesehen und umgehört. Ich habe viel gelesen, viele Gespräche geführt und vielen Ansätzen nachrecherchiert. Vor knapp zwei Jahren habe ich auf die Webseiten der 2005 gestarteten Initiative www.forum-fuehrung.com das Redaktionssystem aufgesetzt, in dem ich diese Worte hier gerade schreibe, um sie dann gleich per Mausklick zu veröffentlichen. Am 01. Juli 2008 haben ich dann gemeinsam mit Grit Wunderlich und Axel Pormetter eine Online-Redaktion gegründet, um der Plattform mehr Leben einzuhauchen und ihre Verbreitung zu fördern. Wir wollten wachsen und das haben wir dann auch getan: Über 700 Artikel sind inzwischen erschienen, weitere Partner haben sich angagiert und die Besucherstatistik zeichnet eine schöne Bewegung nach oben. Das alles ist eine Form von Wachstum.
Es gibt sehr unterschiedliche Erscheinungen von Wachstum. Und es gibt gesundes und ungesundes Wachstum. Denken Sie beispielsweise an Krebszellen, die ein schnelles Wachstum aufweisen und damit die anderen Organe des Körpers schädigen und zerstören können. Sie sind ein Beispiel für ungesundes Wachstum. Wenn Sie dagegen in der Natur miterleben, wie Bäume, Früchte und andere Nahrungsmittel wachsen, dann sind Sie Zeuge von gesundem Wachstum. Ich halte die Unterscheidung von gesundem und ungesundem Wachstum wichtiger als die Frage, ob wir Wachstum wünschen oder nicht. In der Krisendiskussion der letzten beiden Jahre ist diese Frage verstärkt aufgekommen, die nach meiner Auffassung am Thema vorbei geht. Wir sollten nicht darüber sprechen, ob Wachstum unser Ziel ist oder nicht. Wir sollten nach meiner Überzeugung darüber nachdenken und darüber sprechen, welches Wachstum unser Ziel ist. Außer der Verantwortung, der wir damit nachkommen, tun wir uns damit einen weiteren Gefallen: Wir führen uns wieder die Chancen vor Augen, die uns unsere Zukunft bietet!
Zukünftiges Wachstum wird mit Wandel gepaart sein, das scheint inzwischen sicher. Bundespräsident Horst Köhler spricht in seinen Reden zur Thematik schon längere Zeit von einer Transformation, vor der Wirtschaft und Gesellschaft stehen. Das paßt in das Bild, das sich im Dialog mit Experten mir selbst entwickelt hat. Darin stellt der volkswirtschaftliche Wachstumseinbruch von 2009 nicht das Ende der Geschichte des Wachstums dar, sondern nur das Ende einer Episode ungesunden Wachstums in der Geschichte. Diese Episode kann nun überwunden werden und bietet uns dann die Chance zu neuem Wachstum, was in seiner Beschaffenheit anders sein wird als das bekannte, bisher erwartete und politisch verordnete Wachstum. Wachstum läßt sich nicht durch einen Gesetzgeber erzwingen. Das hat der Ostblock 1989 gelernt und der Westen 2009. Wachstum läßt sich nur fördern, pflegen, unterstützen. Wie man mit Wachstum umgeht, darüber kann man von Gärtnern und Bauern viel lernen. Fragen Sie selbst doch einmal nach: Kennen Sie einen Gärtner oder Bauern, der sich vor seine Aussaat stellt und ihr dann zuruft: “Ich befehle Dir zu wachsen!”?
Gesundes Wachstum braucht kreative Freiheit, sonst kann es nicht entstehen und blühen. Wenn wir gesundes Wachstum finden und ernten wollen, müssen wir den Spuk der letzten Jahre überwinden, davon bin ich überzeugt. Unsere Aufgabe darf nicht darin bestehen, Geistern hinterher zu jagen oder uns von Geistern jagen zu lassen. Geister gehören verscheucht. Dann kehrt wieder Frieden und Wohlstand ein. Dazu will ich auch über diese Plattform meinen Beitrag leisten, indem ich weiter nach Wachstumsfeldern der Zukunft frage und an dieser Stelle von den Ergebnissen berichte. Ich möchte die Leser auf eine Entdeckungsreise zu neuem Wachstum führen. Und ich stelle mich jetzt auf neues Wachstum ein, auf gesundes Wachstum.
Vulkanstaubwolke ist ein »echtes Gespenst«
Von Andreas Stein, Kassel
Letzten Sonntag stellte ich auf dieser Plattform die Frage “War die Vulkanstaubwolke über Europa nur ein Phantom, ein Gerücht?”. Inzwischen ist klar: Die Vulkanstaubwolke ist echt. Messungen von speziell ausgerüsteten Flugzeugen haben Staubpartikel im Luftraum über Deutschland nachgewiesen. Der Staub, zuvor nur durch Computersimulationen prognostiziert, ist nicht nur in den Nachrichten, sondern auch in der Luft. Offen bleibt jedoch die Frage, ob die Sperrung des Luftraums über Deutschland und Europa angemessen war. Denn auch die Staubmessungen vom Dienstag sagen wenig darüber aus, wie gefährlich oder ungefährlich die vorhandene Staubkonzentration und Staubkonsistenz für Flugzeuge (gewesen) ist. Und deshalb bleibt die Vulkanstaubwolke auch ein Gespenst. Wir können nicht einschätzen, wie bedrohlich und gefährlich sie wirklich ist. Diese Unsicherheit ängstigt uns und die Angst beeinflusst unser Verhalten (100.000 Flüge wegen Aschewolke ausgefallen). Und so wird aus dem realen Staub auch ein reales Gespenst.
Eigentlich war ich immer der Auffassung, es gibt keine Gespenster. Aber das Beispiel der Vulkanstaubwolke ist mir ein Beispiel, wie real Gespenster sind. Und wenn ich etwas nachdenke, dann fallen mir weitere “echte Gespenster” ein, z. B.:
- Finanzkrise
- Klimawandel
- Schweinegrippe
- Politikverdrossenheit
- volatile Welt
- Medienkrise
Diese Bedrohungen sind durch zwei Merkmale gekennzeichnet:
- Die Bedrohungen sind real und haben Einfluss auf unser Verhalten und unseren Lebensalltag (=echt)
- Die Dimensionen ihrer Bedrohlichkeit und Gefährlichkeit sind schwer einzuschätzen (=gespenstisch)
Das Phänomen »echte Gespenster« beschäftigt mich nun schon einige Jahre, gedanklich und real. Es scheint mir ein Phänomen zu sein, das in der vernetzen Informations- und Medienwelt immer mehr an Bedeutung gewinnt. Durch Interdependenzen breiten sich diese »echten Gespenster« schneller als früher aus. Sie sind auch deshalb schwer zu steuern und zu kontrollieren. Das macht es schwer für Abwehr, Schutz und Gegenmittel und das macht die »echten Gespenster« so ansteckend wie Viren. Es würde uns helfen, wenn wir sie besser verstehen als bisher, damit wir sicherer werden im Umgang mit ihnen. Dafür scheint es mir wichtig, sie zu benennen und konkreter zu beschreiben.
Wenn Sie zu diesem Thema einen Beitrag einsenden möchten (weitere »echte Gespenster«, ihre Merkmale und Eigenschaften, sinnvolle Schutzmaßnahmen und Bekämpfung) denn schreiben Sie bitte unter dem Betreff »echte Gespenster« an redaktion@forum-fuehrung.com. Damit die Veränderungen in den gesellschaftlichen Entwicklungsfeldern, in denen die »echten Gespenster« umgehen, deutlich werden, können Sie die Welt von heute mit der von vor 20 Jahren vergleichen. So können Sie Unterschiede klarer und verständlicher herausarbeiten.
NRW darf nicht Klimaschutz-Schlusslicht bleiben
Unterschriftenkampagne für Klimaschutzgesetz gestartet
NRW. Ein wirksames Klimaschutzgesetz für Nordrhein-Westfalen: Dieses Ziel verfolgt ein von der Klima-Allianz getragenes breites Aktionsbündnis aus Kirchen, Entwicklungsorganisationen, Umweltverbänden und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen. Mit einer Unterschriftenkampagne, die am Donnerstag (15.4.) in Düsseldorf startete, will das Bündnis der Forderung an die künftige nordrhein-westfälische Landesregierung Nachdruck verleihen.
Zentraler Baustein des geforderten Gesetzes soll ein Klimaschutzplan NRW sein. Damit würden verbindliche Ziele und Maßnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien, zum Energiesparen und zum Einsatz hocheffizienter, dezentraler Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung umgesetzt. Die von der jetzigen Landesregierung geplante Sicherung von 36 Standorten für zumeist mit Kohle befeuerte Großkraftwerke müsse revidiert werden.
Wer auf Klimaschutz setzt, hat auch bei Arbeitsplätzen die Nase vorn Dazu erklärte Präses Alfred Buß, leitender Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen: „Es geht um mehr als um ökologische Problemlösungen. Es geht um zukunftsfähige Versorgungssicherheit, um faire Entwicklungschancen für die Menschen des Südens und nachfolgende Generationen.“ Ein Klimaschutzgesetz NRW sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung, denn es schaffe verlässliche Rahmenbedingungen. Der Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung und aus der AKW-Technologie könne dadurch geordnet erfolgen. Angesichts der vorhanden energietechnischen Kompetenz biete der energiewirtschaftliche Strukturwandel gute Perspektiven für Nordrhein-Westfalen, so Präses Buß: „Wer jetzt konsequent auf Klimaschutz setzt, hat auch bei Arbeitsplätzen die Nase vorn.“
Klimawandel zerstört bereits heute Lebensgrundlagen vieler Menschen Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix unterstrich die besondere Verantwortung des Bundeslandes mit den höchsten CO2-Emissionen für die Klimaschutzziele in Deutschland und Europa: „Deutschlands CO2-Ausstoß ist mitverantwortlich für die gravierenden Folgen des Klimawandels, die bereits heute die Lebensgrundlagen von Menschen in aller Welt zerstören.“
Kohlekraftwerke sind Ladenhüter
Die gegenwärtige Landesregierung habe die notwendige ökologische Modernisierung des Energiesystems schlicht verschlafen und stattdessen auf „klimaschädliche Ladenhüter“ wie Kohlekraftwerke gesetzt, sagte der BUND-Landesvorsitzende Paul Kröfges: „In NRW liegen fünf verlorene Jahre für den Klimaschutz hinter uns. Außer heißer Luft bei klimapolitischen Sonntagsreden wurde nicht viel erreicht. NRW ist nach wie vor Schlusslicht beim Klimaschutz. Das muss sich ändern.“ Diese rückwärts gewandte Politik stehe im krassen Gegensatz zu den im Koalitionsvertrag formulierten Klimazielen der Bundesregierung und auch zur Auffassung von Bundeskanzlerin Merkel, erfolgreicher Klimaschutz sei die „zentrale Zukunftsfrage der Menschheit“.
Landesweite Unterschriftensammlung
Landesweit sollen Unterschriften für ein Klimaschutzgesetz gesammelt werden. Die Kampagne hat bereits prominente Unterstützer wie den Kabarettisten Volker Pispers oder den Musiker Jan Delay. Am 19. April startet in Köln eine zweiwöchige Landestour der Klima-Allianz für ein Klimaschutzgesetz in NRW. Jeden Tag werden aktive Klimaschützer in einer anderen Stadt für eine zukunftsfähige Klimapolitik werben. Weitere Informationen dazu unter http://www.klimaschutzgesetz-nrw.de/
Rückfragen:
BUND: Dirk Jansen, Landesgeschäftsführer, 0211/302005-22
Evangelische Kirche von Westfalen: Pfarrer Klaus Breyer, 02304/755-300
Oxfam: Ann-Kathrin Schneider, Klimaexpertin, 030/453069-18
Millionenangriff auf die etablierte Ökonomie
Investorlegende George Soros ist überzeugt, die etablierte Volkswirtschaftslehre braucht eine radikale Runderneuerung. Mit viel Geld fördert er deshalb eine neue VWL – mit erstem Erfolg: Noch nie ging die Zunft so hart mit sich ins Gericht wie auf der ersten Tagung seines Instituts. Lesen Sie dazu: Millionenangriff auf die etablierte Ökonomie (bei Handelsblatt.com am 12.04.2010 veröffentlicht).
Die Gründer des »Forum Bildung, Wirtschaft und Entwicklung«, FBWE, sind sich des anstehenden “Paradigmenwechsels” in ökonomischen Fragestellung bewußt und haben zum Zweck der Weiterbildung und Projektentwicklung einen Verein gegründet. Lesen Sie mehr dazu auf www.fbwe.de und bestellen Sie kostenlos und unverbindlich einen Newsletter zu Aktivitäten und Terminen des FBWE über newsletter@fbwe.de.
Was hat England falsch gemacht?
Der Titel der Ausgabe 15/2010 des grossen deutschen Wochenjournals für Wirtschaft, www.wiwo.de, zeigt einen englischen Wachsoldaten mit brennender Pelzmütze unter dem Titel »England in Not«. Aber warum ist England in Not und was hat England falsch gemacht? Unter der Überschrift “Trübsinn in broken Britain” schrieb schon die ZEIT, www.zeit.de, am 18.02.: “Großbritannien könnte tatsächlich zum “Island an der Themse”, zum finanziellen Pflegefall werden. Heute wird die britische Situation eher mit dem besorgniserregenden Zustand Griechenlands verglichen.” Lesen Sie mehr über “England in Not” in Ausgabe 15/2010 der Wirtschaftswoche.
Der Wandel, den wir gegenwärtig überall erleben, verbunden mit einer wirtschaftspolitisch notwendigen Neuorientierung, wird sicherlich noch über viele Monate und Jahre andauern. Aus diesem Grund hat sich am 06.03. diesen Jahres auch das »Forum Bildung. Wirtschaft und Entwicklung« (FBWE), www.fbwe.de, gegründet. Von dort sind Sie eingeladen, die Veränderungen (inter-)aktiv in Veranstaltungen und diversen Weiterbildungsangeboten “hautnah” zu begleiten. Bestellen Sie dazu kostenlos und unverbindlich über newsletter@fbwe.de den Newsletter des FBWE.
“Für Freiheit und Fairness” – Wolfgang Gerhardt unterwegs
Die vom Vorstandsvorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Wolfgang Gerhardt, initiierte Reihe, beschäftigt sich mit der zentralen Frage: Erreicht man mehr soziale Gerechtigkeit durch Umverteilung oder durch ein Umdenken hin zu mehr Eigenverantwortung des Einzelnen?
“Wir leben in einer Zeit des Wandels”, erklärte Wolfgang Gerhardt bei der von Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, moderierten Auftaktveranstaltung in Saarbrücken. Die Anpassung an den Wandel sei nicht einfach, müsse aber durch unsere Gesellschaft gemeistert werden. “Politik muss die Übergänge hilfreich gestalten. Wir können dem Wandel nicht ausweichen!”
Dabei solle man den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wettbewerb als etwas Positives ansehen, der nur dann funktioniert, wenn er mit Spielregeln des Fair-Play ausgestattet ist. Dies fordere auch mehr Verantwortung, Disziplin von jedem Einzelnen und Spielregeln in der Marktwirtschaft. “Der ehrbare Kaufmann muss nach Deutschland zurückkehren”, forderte Gerhardt.
Bildungspolitik muss Ausgangspunkt einer modernen Sozialpolitik werden
Gerhardt plädiert dafür, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wettbewerb als etwas Positives zu begreifen. Markt und Moral, Markt und Charakter, Markt und Spielregeln – das seien, anders als in Deutschland häufig behauptet, keine Gegensätze, sondern Voraussetzungen für Erfolg und Allgemeinwohl.
Die dringend erforderlichen politischen Reformen sind nur möglich auf der Basis von Erziehung, Bildung und Qualifizierung sowie einer auf Beschäftigung und Wachstum ausgerichteten Wirtschaftsphilosophie, “Chancen und Teilhabe, Bildung und Arbeitsmarkt sind die neuen Maßstäbe für soziale Gerechtigkeit”, Erziehung sei der Schlüssel zu Aktivitäten und Arbeit.
Viel zu lange hätte sich Politik und Gesellschaft den nötigen Reformen verweigert. Jetzt gehe es um eine ehrliche Bewertung der eigenen geistigen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kondition.
Termine der Veranstaltung “Für Freiheit und Fairness” mit Wolfgang Gerhardt finden Sie unter http://www.freiheit.org/webcom/show_article.php?wc_c=29&wc_id=15123
FBWE richtet »Arbeitskreis Ökosoziale Marktwirtschaft« ein
Als ein spezielles Projekt, also als ein »Sonderprojekt« in Hinsicht seiner Bedeutung und Dauerhaftigkeit, bereitet das FBWE im Augenblick einen »Arbeitskreis Ökosoziale Marktwirtschaft« vor. In diesem Arbeitskreis soll das Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft (ÖSM) dem Kreis seiner Mitglieder; Freunde/-innen und Partner/-innern des FBWE bekannt gemacht werden. Ebenso soll auf die Personen, Initiativen und Organisationen verwiesen werden, die sich aktiv für das Konzept der ÖSM engagieren bzw. dieses weiterentwickeln. Dazu gehören z. B. (chronologische Reihenfolge nach Datum ihrer Wahrnehmung durch den Vorstand des FBWE, nicht nach ihrer Entstehung):
- www.faw-neu-ulm.de
- www.kit-initiative.de/
- www.oesf.de
- www.oekosozial.at
- www.foes.de
- www.bundespraesident.de
Mehr zur Arbeit und den Projekten des FBWE erfahren Sie unter auf www.fbwe.de.
Bankenabgabe: Teufel im Detail
Die Bankenabgabe, deren Einführung das Bundeskabinett gestern beschlossen hat, lässt bislang mehr Fragen offen, als sie löst. Derzeit prüft das Finanzministerium, wie sich die erste Empörung in der Öffentlichkeit bekämpfen lässt: Normalerweise könnten die Institute nämlich eine solche Abgabe ganz normal als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen. Dann käme zwar der für zukünftige Bankenrettungen geplante Fonds zu seinem Geld, aber im Staatshaushalt fehlten weitere rund 400 Millionen Euro. Doch noch ist völlig unklar, wie die Abgabe am Ende tatsächlich aussehen wird. Und vor allem, wie sie zu errechnen ist.
Lesen Sie dazu von Henning Krumrey auf http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/teufel-im-detail-426647
Jorgo Chatzimarkakis: “Auf nach Jamaika!”
“Jamaika, eine Koalition aus CDU, FDP und Grünen, ist die wohl interessanteste und auch zukunftsträchtigste Option aus dem Denklabor politischer Strategen”, schreibt Jorgo Chatzimarkakis MdEP in der aktuellen Ausgabe der Vierteljahresschrift liberal. Es gehe darum, die politischen Grabenkämpfe von gestern zu überwinden und das alte und neue Bürgertum wieder zu vereinen, um neue Produkte, neue Produktionsweisen und neue Lebensstile zu schaffen.
So könnte man, meint Chatzimarkakis, “beispielsweise eine Wirtschaft errichten, die eben nicht mehr auf Öl basiert, sondern etwa auf Gesundheit. Was auf den ersten Blick vielleicht abwegig daherkommt, kann auf den zweiten Blick sehr schlüssig erscheinen. So könnten wir nämlich die sozialste aller Fragen nachhaltig und gleichzeitig liberal lösen: Gesundheit, sowohl körperliche als auch geistige in den Mittelpunkt des politischen Handelns stellen und so nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch die Menschen durch gesteigertes Wohlbefinden zufriedener machen.”
Lesen Sie mehr auf der Internetpräsenz der Friedrich Naumann Stiftung FÜR DIE FREIHEIT: http://www.freiheit.org/webcom/show_article_bb.php?wc_c=616&wc_id=15111
Bankenexperte: Bankenabgabe ist nur scheinbar eine gute Sache
Bei der Suche nach der besten Antwort auf die Finanzkrise und die Beteiligung des Finanzsektors an der Kostenbewältigung sagt Bundespräsident Horst Köhler: “Ich würde zunächst für eine internationale Abgabe auf Finanztransaktionen kämpfen” (Focus 22.3.2010), Bundesfinanzminister Schäuble kapituliert und optiert für eine Bankenabgabe, auch wenn er die Finanztransaktionssteuer als geeigneter ansieht: “Wir müssen einsehen, dass das, was wir gerne auch überlegt hätten – nämlich eine Finanztransaktionssteuer einzuführen – nur geht, wenn sie global vereinbart wird. Und dafür gibt es im Moment keine realistische Chance.” (SWR, 22.3.2010)
Zu dieser Debatte meint André Presse, Chefökonom der GLS Bank, für die Kampagne “Steuer gegen Armut”: “Die von der Bundesregierung geplante Bankenabgabe erscheint auf den ersten Blick der richtige Schritt. Sie setzt aber nur bei den Symptomen an. Eine Bankenabgabe setzt jedoch völlig falsche Anreize, weil das Bankensystem fundamental daran leidet, dass durch Finanztransaktionen, die nicht der realwirtschaftlichen Wertschöpfung dienen, oftmals höhere Renditen erzielt werden können als durch realwirtschaftliche Investitionen. Hierbei handelt es sich jedoch um Scheinrenditen, da durch sie keine realen Güter und Dienstleistungen geschaffen werden. Durch eine Bankenabgabe steigt der Druck auf die Finanzinstitute, zur Erreichung ihrer Renditeziele riskantere Geschäfte einzugehen und die Risiken mit buchhalterischen Tricks und finanzmathematischen Kniffen zu verstecken. Banken, die “Scheingeschäfte” eingehen werden also durch eine Bankenabgabe auf Dauer gegenüber solide wirtschaftenden Banken besser gestellt.
Wesentlich hilfreicher ist eine Finanztransaktionsteuer, da durch sie die Scheingeschäfte in einer Weise verteuert werden können, dass sich beispielsweise bestimmte schädliche Arbitragegeschäfte nicht mehr lohnen. Eine Finanztransaktionssteuer stabilisiert somit den Finanzsektor und dient der Realwirtschaft (da sie die relative Vorteilhaftigkeit realer Geschäfte gegenüber Scheingeschäften und Spekulationen erhöht), eine Bankenabgabe destabilisiert das Bankensystem mittel- und langfristig, auch wenn sich kurzfristig die gewünschten Effekte erzielen und der gerechte Zorn der Menschen auf die Banken mildern lassen. Die Bankenabgabe verstärkt den Anreiz für die Banken, riskante beziehungsweise nicht auf die Realwirtschaft bezogene Geschäfte einzugehen.
Bezogen auf das Bankensystem wirkt die Bankenabgabe so, als würde ein statisch nicht auf Dauer tragendes Haus gestützt und neu angestrichen, anstatt es abzureißen und neu zu bauen. Die Auswüchse des bestehenden Bankensystems haben schlimme Folgen für viele Menschen. Die Bankenabgabe wird sie nicht dauerhaft bekämpfen sondern die notwendigen Reformen eher noch verzögern.”
Als weiteres Argument führt das Kampagnenbündnis an, dass die Einnahmen aus der Bankenabgabe im einstelligen, die aus einer Finanztransaktionssteuer im zweistelligen Milliardenbereich liegen.
Darum setzt sich die Kampagne “Steuer gegen Armut” dafür ein, dass die Bundesregierung sich dem Bundespräsidenten anschließt und für eine internationale Finanztransaktionssteuer beziehungsweise eine Abgabe auf Finanztransaktionen kämpft. Sie hat dafür die wachsende nationale und internationale Unterstützung für diese Steuer in der Bevölkerung, von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen und sogar von Banken.
Wenn im Ergebnis im G20-Kontext eine Bankenabgabe als Minimallösung übrig bleibt, so ist dies bestenfalls ein erster Schritt. Dann bleibt aber immer noch die Option, eine Finanztransaktionssteuer zusätzlich in der EU einzuführen, wo die Zustimmung dafür deutlich höher ist.
Im Internet:
- Informationen zur Kampagne “Steuer gegen Armut” http://www.steuer-gegen-armut.org/
- Internationale Unterschriftenkampagne für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer: http://www.makefinancework.org/?lang=de
Für Nachfragen:
- P. Dr. Jörg Alt SJ, Moderator der Kampagne “Steuer gegen Armut”, Tel. (0911) 2346-189
- André Presse, Chefökonom, GLS-Bank Bochum, Tel. (0234) 5797-213
“Teilhabe und Begeisterung für unsere Demokratie”
Begrüßungsworte von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich des Abendessens für den Ältestenrat des Deutschen Bundestages am 17. März 2010 in Schloss Bellevue
Ich freue mich, dass wir heute wieder zusammen sind, wenn auch teilweise in anderer Zusammensetzung. So funktioniert Demokratie.
Wir leben unübersehbar in einer Umbruchzeit. Da kommt es in der Politik auf “Leidenschaft und Augenmaß” in der Sache an, vielleicht aber noch mehr auf das Vertrauen der Menschen in die demokratischen Institutionen. Darum müssen die Verfassungsorgane – jedes in seiner ihm vom Grundgesetz zugewiesenen Funktion – ihre Aufgaben gut erledigen, und dazu müssen sie gut miteinander zusammenarbeiten. Herr Präsident, ich teile voll und ganz Ihre Überzeugung: Das Parlament ist das “Herz der politischen Willensbildung in unserem Land”. Und ich bin an Ihrer Seite, wenn es darum geht, dass es kraftvoll schlägt. Wo, wenn nicht im Parlament, muss mit Herz und Verstand um die res publica, um das Wohl aller gerungen werden. Und wenn draußen draufsteht “Dem Deutschen Volke”, dann muss das auch drinnen stattfinden. Deshalb, und das haben Sie zu Recht mehrfach angemahnt, dürfen die Minderheitenrechte, dürfen vor allem die Informationsrechte des Parlaments nicht beschnitten werden, denn sie sind eine essentielle Voraussetzung für eine gute Gesetzgebung. Ich halte auch eine Verlängerung der Wahlperiode von vier auf fünf Jahre für bedenkenswert. Die Argumente sind bekannt, ich möchte hier keine Eulen nach Athen tragen. Ich verstehe das Grundgesetz auch als Verpflichtung für den Bundespräsidenten, sich mit den langfristigen Herausforderungen unseres Landes zu befassen. Ich bin überzeugt davon, wir befinden uns mitten in einem Transformationsprozess. Die Stabilität unserer demokratischen Ordnung und ihre Akzeptanz durch die Bevölkerung wurden in den letzten 60 Jahren nicht zuletzt durch Wirtschaftswachstum und damit verbundene Verteilungsspielräume gefördert. Nach meiner Einschätzung werden wir uns in Zukunft auf geringere Wachstumsraten einstellen müssen. Der demographische Wandel und der Klimawandel sind zusätzliche Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund, so glaube ich, müssen wir den Bürgern auf drei Schlüsselfragen Antworten geben:
Erstens: Wie schaffen wir einen Zuwachs an Teilhabe und Begeisterung für unsere Demokratie? Dazu gehören Fragen nach dem Verhältnis von Staat und Gesellschaft, von Jung und Alt, von Einheimischen und Zugewanderten. Ich habe mir vorgenommen, öfter und systematischer mit Bundestagsausschüssen im Gespräch zu sein.
Zweitens: Wie schaffen wir den notwendigen Umbau unserer Wirtschaftsordnung hin zu einer ökologischen Sozialen Marktwirtschaft? Dazu gehören Fragen nach nachhaltigen Formen des Wachstums, ressourcenschonender Produktion, regionalen Wirtschaftskreisläufen, zukunftsfähiger Arbeit, neuen Formen dem Gemeinwohl dienender Tätigkeiten. Es geht um die Sicherung der Lebensgrundlagen, der natürlichen wie der sozialen, es geht um Verteilungsgerechtigkeit, um Qualifizierung und Forschung, aber auch um alternative Grundlagen des Wohlergehens jenseits eines rein ökonomisch und materiell orientierten Wachstums, es geht um neue Lebensstile.
Drittens: Wie schaffen wir es in einer sich formierenden Weltgesellschaft, Europa als kraftvolle und handlungsfähige Union zu beweisen, mit der sich die Bürger identifizieren und in die sie sich einbringen können? Wo brauchen wir womöglich “mehr EU”, um voranzukommen? Wo ist womöglich “weniger EU” angezeigt? Wir erleben zugleich, dass in der Weltrisikogesellschaft die alten Ordnungen nicht mehr tragen, dass aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und andere eine wachsende Rolle spielen. Das Bewusstsein nimmt zu, dass wir alle aufeinander angewiesen sind, alle in einem Boot sitzen. So nimmt auch die Einsicht zu, dass wir eine neue, eine kooperative Weltpolitik brauchen, eine Politik des fairen Interessensausgleichs in einem rechtlich geordneten Rahmen, mit starken supranationalen Institutionen, die die Einhaltung international verbindlicher Regeln überwachen und durchsetzen. Wir brauchen good governance und wir brauchen, das lehrt uns die Finanzkrise, das Primat der Politik.
Meine Damen und Herren, große Herausforderungen, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Stoff also genug für einen Meinungsaustausch. Noch einmal: Seien Sie willkommen; ich freue mich auf unser Gespräch.
Lob der Pause
Von Martina Knappert-Hiese, Kressbronn
Einer der neueren Titel in der Reihe quergedacht aus dem Oekom Verlag lautet doch tatsächlich “Lob der Pause”. Man mag es kaum glauben, dass der Autor Karlheinz Geißler uns belehren will, warum unproduktive Zeiten ein Gewinn sind, wie der Untertitel verspricht.
Mal ehrlich – Hand aufs Herz – vom Stress haben wir doch alle genug, oder nicht? Im deutschen Sprachschatz gibt es genügend Beispiele, die in die gleiche Richtung zielen, wie z.B. Gut Ding will Weile haben! Wenn Sie nachdenken, fällt Ihnen sicherlich auch ein derartiger Ausspruch ein. Doch hilft uns in den Zeiten der Krise dieses traditionelle Wissen überhaupt noch weiter? Ich befürchte, dass wir alle unte unter Stress stehen und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Ja, uns zudem noch ständig zwischen Ansprüchen und Notwendigkeiten hin und her bewegen und kaum zur Reuhe kommen. Wenn dann jemand noch Themen auf die Tagesordnung bringt, die scheinbar vom eigentlichen Ziel abweichen, dann verwechseln viele die Botschaft mit dem Überbringer der Botschaft. So ist es mir jedenfalls schon häufiger passiert – auch im Gemeinderat von Kressbronn, in dem ich mir gemeinsam mit meinen Unterstützern einen Platz ergattert habe. Wer in seiner heilen Welt lebt, der ist zwar zu beneiden, doch er sollte sich die Frage gefallen lassen, ob die rosarote Brille ihn nicht von einer adäquaten Wahrnehmung der Wirklichkeit ablenkt.
Wie dem auch sei, das genannte Büchlein gibt einen bemerkenswerten Überblick über unseren Umgang mit Zeit! Dabei ist zu bedenken, dass das individuelle Zeitmanagement natürlich auch gesamtgesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen beeinflussen kann. In der wirtschaftlichen Nutzung menschlicher Zeitressourcen liegen der Gewinnlogik zufolge noch ungeahnte Potentiale, die es folglich zu erschließen gilt. Und so sind in der IT-Branche inzwischen Arbeitsplattformen entstanden, die ein schnelles Wechseln zwischen unterschiedlichen Projekten problemlos ermöglichen und doch jeweils alle relevanten Daten und Ansprechpartner einem direkten Zugriff zugänglich machen.
Kreativität ade – gefragt sind lediglich die persönlichen Kompetenzen im Bereich des symbolischen oder expliziten Wissens, das an anderer Stelle auch noch gesammelt und abrufbar vorhanden ist. Der Mensch, der von seiner Natur aus zwischen gut und böse unterscheiden kann, ist dann am besten im ökonomischen Prozess zu gebrauchen, wenn er über seine potentiellen Zweifel erhaben ist und fast so gut oder noch besser wie eine Machine funktioniert. Wer sich derartig knechten lässt, dem fehlt möglicherweise ein gesunder Ausgleich. Lesen sie Geißlers Lob der Pause und korrigieren Sie ggfls. die eingeschliffenen pathologischen Verhaltensweisen und Zwänge, um ihre Menschlichkeit nicht dem System zu opfern. Mutter Erde und ihre Kinder werden’s Ihnen danken!
DAs Büchlein trägt folgende ISBN: 978-3-86581-200-1
Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen
von Martina Knappert-Hiese, Kressbronn
Der Report der Heinrich-Böll-Stiftung erklärt Wissenswertes rund um die Thematik Gemeingüter, Commons, Allmende. Seit 2009 der erste Wirtschaftsnobelpreis an eine Frau ging, die ihr Lebenswerk der Erforschung dieses wichtigen Themas gewidmet hat, sollte der interessierten Öffentlichkeit ihre wissenschaftliche Arbeit aufbereitet zur Verfügung stehen. Vier namhafte Autoren (Helfrich/ Kuhlen/ Sachs/ Siefkes) haben deshalb Wissenswertes dazu in einem leicht zugänglichen Überblick zusammengefasst, dessen Lektüre sehr zu empfehlen ist.
In Zeiten begrenzter finanzieller Mittel und sichtbarer ökologischer Zerstörungen wird es in kommunalen, regionalen und nationalen Zusammenhängen zunehmend wichtiger, alle Bürgerinnen und Bürger an der Verwendung und Nutzung von Gemeingütern zu beteiligen. Dass Kopenhagen gescheitert ist und die Staatengemeinschaft es nicht erreichte, einen verbindlichen Vertrag über die Nutzung des Gemeingutes Klima zu verabschieden, ist eine Tragik unserer Gegenwart. Wer bei Verhandlungen zur Verwendung von Gemeingütern nicht bereit ist, die eigenen Bedürfnisse auf der Basis überlebenswichtiger Notwendigkeiten anderer Menschen und Völker zu überdenken, der hat die Zeichen unserer Zeit noch nicht kapiert. Wir müssen aufhören in veralteten Kategorien von Wettbewerbsvorteil, Gewinnmaximierung und Kosten-Nutzen-Analysen zu denken, wenn wir internationale Verhandlungen um Gemeingüter führen.
Wir sitzen alle im gleichen Boote und sollten verstehen, dass wir nur miteinander und gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten können. Ein Verständnis verschiedener Formen von Gemeingütern ist dazu unerlässlich! Dass Wohlstand nur durch neue Formen des Teilens dauerhaft gesichert werden kann, gehört leider noch nicht zum Gemeingut Wissen, über das die Menschheit heute verfügt.
Der Report trägt die ISBN 978-3-86928-020-2 und sei zur Lektüre dringend empfohlen.



